ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2005Arzthaftungsrecht: Ein falscher Weg
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LNSLNS Leider geht Ihr Artikel, so juristisch korrekt er auch sein mag, weg von dem Ansatz, durch eine gute Medizin Arzthaftungsschäden zu vermeiden. Vielmehr werden Tipps gegeben, wie man selbst bei schlechter Medizin über den Weg einer schwer anfechtbaren Aufklärungs- und Dokumentationstechnik einer Haftung entgehen kann. Ich denke, das ist ein falscher Weg, so sehr er auch juristischen Schaden vom Arzt abwenden mag. So erlebe ich jeden Tag, dass Patienten aus dem Krankenhaus entlassen werden mit zehn Entlassmedikamenten und mehr. Ich habe es in 20 Jahren Praxis nie erlebt, dass im Krankenhaus über Risiken und Nebenwirkungen dieser Medikamente aufgeklärt wurde – schließlich unterschreibt der Patient bei der Aufnahme ja bereits blanko seine Zustimmung. Poststationär muss ein korrekt aufklärender Hausarzt den Löwenanteil dieser Medikamente wieder streichen. Er kollidiert dann zwangsläufig mit meines Erachtens falschen Leitlinien und setzt sich der Gefahr einer unterstellten Unterlassung aus. Also was mache ich? Patienten unterschreiben lassen, dass sie auf eigene Verantwortung und gegen meinen ärztlichen Rat weiter die Krankenhausmedizin nehmen sollen? Oder den schweren Weg der Überzeugungsarbeit gehen und mutmaßlich Falsches absetzen? Soll ich unterschreiben lassen, dass das Absetzen auch aufs Risiko des Patienten geht? Das ist doch keine verantwortungsvolle Medizin mehr! . . .
Dr. Karlheinz Bayer, Schwimmbadstraße 5,
77740 Bad Peterstal
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