ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1997Was tun bei Stich mit HIV-kontaminierter Nadel?

POLITIK: Medizinreport

Was tun bei Stich mit HIV-kontaminierter Nadel?

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LNSLNS Das Risiko einer HIV-Infektion durch eine Verletzung mit kontaminierten Instrumenten ist nach einer Übersicht des Berliner Robert Koch-Institutes nicht allzu hoch: Unfälle beispielsweise mit HIVkontaminierten Injektionsnadeln, Skalpellen oder Scheren führen nur in etwa einem von 300 Fällen zur Ansteckung. Dem Robert Koch-Institut (RKI) wurden in Deutschland in den letzten 15 Jahren 18 (sicher oder wahrscheinlich) solcher berufsbedingter HIV-Infektionen gemeldet.
Nach einer Ende letzten Jahres veröffentlichten US-Studie läßt sich das Risiko der HIV-Ansteckung durch eine schnelle Behandlung mit dem AIDS-Medikament AZT um weitere 40 bis 90 Prozent reduzieren. Da sich in den letzten Monaten durch die Zulassung neuer Medikamente die Behandlungsmöglichkeiten von AIDSPatienten verbessert haben, geht das Amt davon aus, daß die neuen Kombinationstherapien auch die Wirksamkeit dieser "Postexpositionsprophylaxe" steigern. Allerdings verlange jeder Einzelfall eine sorgfältige Abschätzung des Nutzens gegen die Nebenwirkungen der medikamentösen Prophylaxemaßnahmen.
Als Sofortmaßnahme rät das RKI zu einer möglichst raschen Reinigung und Desinfektion der Wunde, zunächst mit Seife unter fließendem Wasser, dann mit einem viruswirksamen Hautdesinfektionsmittel. Falls man sich für eine medikamentöse Prophylaxe entscheidet, sollte die Behandlung innerhalb von zwei Stunden nach der Verletzung beginnen. Dieses enge Zeitfenster erfordert in Kliniken und Praxen mit beruflicher HIV-Exposition eine gewisse organisatorische Vorbereitung für den Notfall.
Das RKI hat im "Epidemiologischen Bulletin 43/96" die wichtigsten Empfehlungen und Verhaltensregeln zusammengetragen. Es wird auf Anfrage kostenlos verschickt: Robert Koch-Institut, Nordufer 20, 13353 Berlin. kch

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