ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2005Kardialer Risikopatient: Fluvastatin eignet sich bei Polymedikationen

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Kardialer Risikopatient: Fluvastatin eignet sich bei Polymedikationen

Dtsch Arztebl 2005; 102(9): A-606

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Die wissenschaftliche Datenlage ist inzwischen eindeutig: Alle Personen mit einem Risiko von 20 Prozent und mehr, in den nächsten zehn Jahren ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, sollten mit einem Cholesterinsynthesehemmer (Statin) behandelt werden. Die Höhe des LDL-Cholesterinspiegels spielt für diese Entscheidung nur eine untergeordnete Rolle.
Das Risikoniveau von 20 Prozent trifft für alle Patienten mit manifester koronarer Herzkrankheit – mit und ohne Herzinfarkt in der Anamnese – und alle Diabetiker zu, wie Prof. Dr. med. Winfried März (Universität Graz) betonte. Das kardiovaskuläre Risiko dieser Patienten lässt sich durch Statine signifikant senken. Dies hat auch eine Metaanalyse von vier Studien (LIPS1, LiSA2, FLARE3, LCAS4) gezeigt, in denen Fluvastatin bei 3 525 KHK-Patienten vier Jahre lang eingesetzt wurde.
Die relative Risikoreduktion im Vergleich zu Placebo betrug für den Endpunkt kardialer Tod 47 Prozent, für kardialen Tod/Myokardinfarkt 34 Prozent, für Gesamtmortalität/Myokardinfarkt 31 Prozent und für Gesamtmortalität allein 35 Prozent. Bereits nach sechs Monaten zeigten sich bei der Häufigkeit kardiovaskulärer Endpunkte deutliche Vorteile in der Fluvastatin-Gruppe.
Fluvastatin weist für die Praxis einen wichtigen Vorteil auf: Es wird in der Leber primär auf einem anderen Enzymweg abgebaut als auf dem „viel befahrenen“ Cyp 3A4. Damit besitzt Fluvastatin das geringste Interaktionsrisiko von allen Statinen. Dies ist klinisch durchaus relevant. Denn zwei Drittel der Patienten, die Statine bekommen, werden gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln behandelt, die über Cyp 3A4 abgebaut werden.
Die Konkurrenz am Enzym kann dazu führen, dass das Statin verlangsamt metabolisiert wird und damit akkumuliert. Damit erhöhe sich das Risiko für Nebeneffekte wie beispielsweise Leberfunktionsstörungen, Myopathie und schlimmstenfalls Rhabdomyolyse, erläuterte Prof. Dr. med. Jürgen Drewe (Basel).
Neben Fibraten zählen Cyclosporin A, Erythromycin und Azol-Antimykotika zu den Substanzen, die mit Statinen interagieren können. Bei gleichzeitiger Gabe von Itraconazol steigt zum Beispiel die AUC (Fläche unter der Plasmakonzentrationszeitkurve) von Atorvastatin um den Faktor drei, wohingegen sie sich bei Fluvastatin nicht verändert.
Datenbank-Analyse im Hinblick auf Rhabdomyolyse
Ein Blick auf dokumentierte Myopathien zeigt, dass in 56,9 Prozent Cerivastatin der Verursacher war, in 18,3 Prozent Simvastatin, in 11,5 Prozent Atorvastatin und nur in 1,6 Prozent Fluvastatin. Aus einer Analyse der FDA-Datenbank geht hervor, dass auch die dokumentierten tödlichen Rhabdomyolysen hauptsächlich Cerivastatin betrafen. Unter Fluvastatin trat keine einzige auf. Auch in der erwähnten Metaanalyse der vier Fluvastatin-Studien wurden keine Rhabdomyolysen beobachtet.
Fluvastatin sei eine gute Wahl für Patienten, die mehrere andere Medikamente einnähmen, betonte Drewe. Auch eine Kombination mit Fibraten, die insbesondere bei Patienten mit gemischter Hyperlipidämie oder mit Diabetes häufig erforderlich wird, schaffe keine Probleme. Dr. med. Angelika Bischoff

Pressekonferenz „Fokus Kardialer Risikopatient – Neues aus der Statintherapie“, unterstützt von Novartis, Fujisawa und Fournier Pharma GmbH in München
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