ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2005Universitätskliniken: Geballte Wut

SEITE EINS

Universitätskliniken: Geballte Wut

Dtsch Arztebl 2005; 102(10): A-621 / B-525 / C-493

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Ärger an den Hochschulkliniken nimmt zu – haben doch die Länder als Arbeitgeber im Juni 2003 zunächst die Tarifverträge zum Urlaubs- und zum Weihnachtsgeld gekündigt, um dann im April 2004 die tariflichen Vereinbarungen zur Arbeitszeit außer Kraft zu setzen. Für neu eingestellte Ärztinnen und Ärzte und jene, deren Verträge verlängert oder höher gruppiert werden, bedeutet dies: Streichung des Urlaubsgeldes, Kürzung des Weihnachtsgeldes auf 60 Prozent und Erhöhung der tarifvertraglichen Wochenarbeitszeit auf 41 bis 42 Stunden. Da die meisten Klinikärzte befristete Verträge abgeschlossen haben, sind inzwischen sehr viele von dieser Lohnkürzung um neun bis zehn Prozent betroffen. Für diese Ärzte ist jetzt die Schmerzgrenze erreicht. An immer mehr Universitätskliniken formiert sich deshalb lautstarker Protest.
Jüngste Aktion: Für Dienstag, den 8. März, hatte die Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund die Ärzte des Klinikums der Universität Marburg zum Warnstreik aufgerufen. Das Land Hessen verlange von den in Universitätskliniken beschäftigten Ärzten Hochleistungsmedizin sowie die Gewährleistung von Forschung und Lehre, biete ihnen jedoch schlechtere Arbeitsbedingungen als deren Kollegen in Kreiskrankenhäusern, hieß es im Vorfeld des Warnstreiks. Auch an anderen Universitätskliniken sind Protestaktionen in Vorbereitung.
Der Marburger Bund will die Aktivitäten an den Universitätskliniken koordinieren und so die Wut der Ärzte bündeln. Dazu hat er ein Netzwerk von Assistentensprechern gebildet, an dem sich inzwischen Vertreter aus den meisten Hochschulkliniken beteiligen. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Bundesvorsitzender des Marburger Bundes, warnt: „Wenn die Politiker nicht begreifen, dass das Maß voll ist, war der Protest in Marburg nur der Auftakt.“ Bundesweite Aktionen seien nicht auszuschließen, wenn die Länder nicht endlich den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst übernähmen. Entsprechende Pläne liegen in der Schublade: Am Montag, dem 2. Mai, einem Tag vor der Eröffnung des 108. Deutschen Ärztetages in Berlin, soll an allen Hochschulkliniken Deutschlands mit einer „aktiven Mittagspause“ auf die „unverschämte Absenkung des Tarifstandards“ aufmerksam gemacht werden.
Jens Flintrop
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige