ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2005Standpunkt: Nicht mit uns

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Standpunkt: Nicht mit uns

Dtsch Arztebl 2005; 102(10): A-704 / B-596 / C-556

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LNSLNS In den letzten Tagen erreichten uns mehrere Anfragen zur Teilnahme an der Integrierten Versorgung (IV) für die Implantation von Hüft- und Knieendoprothesen. Als Vorteile werden den Patienten eine verkürzte Wartezeit, der Einsatz besonderer Implantate (McMinn-Prothesen), die Einbindung des Facharztes, die Vermeidung unnötiger Doppeluntersuchungen, eine Gewährleistung von zehn Jahren und eine verbesserte Nachsorge offeriert. Wir haben uns entschlossen, an einer solchen IV nicht teilzunehmen. Die IV erlaubt es, Verträge mit Krankenkassen abzuschließen. Die dazu nötigen Finanzmittel werden zuerst zu je einem Prozent aus dem Honorartopf der niedergelassenen Ärzte und der Krankenhäuser, alles darüber Hinausgehende allein aus dem Honorar der Niedergelassenen bezahlt. Der Patient hat einen Vorteil durch die verkürzte Wartezeit. Alle anderen „Vorteile“ sind inhaltsleere Worthülsen. Auch vor der Einführung der IV gab es McMinn-Prothesen. Die Kommunikation des Facharztes mit dem regionalen Krankenhaus sowie der Rehabilitationseinrichtung und die Vermeidung von Doppeluntersuchungen sind Standard. Eine verbesserte Nachsorge ist schwer zu erreichen, wenn es hier keine über die Begrenzung des Heilmittelkatalogs in der Nachbehandlung hinausgehenden Defizite gibt. Die Gewährleistung von zehn Jahren macht dem Patienten eher ein Problem, denn oft will er bei Komplikationen nicht zum Erstimplanteur zurück. Zahlmeister der IV ist der niedergelassene Arzt. Er erhält für seine Zuweisung das Recht, fünf Prothesenkontrollen à 55 Euro (eins der Angebote) direkt mit der Klinik und damit zusätzlich zum KV-Honorar zu erwirtschaften. Dafür verschwinden aus dem Honorartopf 10 000 Euro zur Finanzierung der IV. Dies entspricht dem Verlust von einem Euro für jeden der niedergelassenen Ärzte von Niedersachsen für jede integriert implantierte Endoprothese. Der Gewinner ist die Krankenkasse. Sie muss kein Geld für die IV aufwenden, denn sie entnimmt es dem sowieso zu zahlenden gedeckelten Honorartopf der Ärzte. Da die Ärzte sich mit zunehmendem Honorarverlust immer mehr um alternative Einnahmen bemühen müssen, steigt der Zwang der Ärzte zur Teilnahme an der IV. Daraus ergibt sich ein Machtgewinn für die Krankenkasse, die ohne feststehende Kriterien und ohne die Pflicht, ihre Entscheidungen zu begründen, jeden Arzt beliebig an der IV beteiligen oder ausschließen kann. Eine derartige IV beschleunigt den Hamsterradeffekt und den Punktwertverlust, denn für jeden Euro, den der Niedergelassene über IV entnimmt, werden zum Beispiel bei den Endoprothesen weitere 39 Euro für stationäre und Rehabilitationsleistungen entnommen. Mit der IV Endoprothetik wurde ein legalisierter Diebstahl aus dem Honorartopf der Niedergelassenen geschaffen. Nur beklauen müssen wir uns selber – mit Zuweisungen zu den Maßnahmen.
Orthopädische Gemeinschaftspraxis, Gifhorn
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