ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2005Medizingeschichte(n): Diätetik – Weintrinken

MEDIZIN: Editorial

Medizingeschichte(n): Diätetik – Weintrinken

Dtsch Arztebl 2005; 102(11): A-751 / B-629 / C-587

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Den Wein pflegt man die Milch der Greise zu nennen, und bei mäßigem Gebrauch nützt er auch dem Alter. Vor allem lobt man gewöhnlich die alten, durch ihr Alter mild gewordenen Weine, die ein Komödiendichter „zahnlos“ genannt hat. Sicherlich lebt niemand so lange, daß er nicht einen Wein fände, der vor ihm erzeugt wurde.
Solche Weine aber kauft man nur um teures Geld, und sie erheitern die Gastmähler von Fürsten und Magnaten. Greise, vor allem Gelehrte, die häufig an Geldknappheit leiden, mögen sich Weine auch zu einem billigeren Preise anschaffen, Weine, die keiner so langen Reihe von Jahren bedürfen, um die Bezeichnung „zahnlos“ zu verdienen. Doch seien die Becher klein, und sie sollen den Wein nur tropfenweise hergeben, wie beim Gastmahl des XENOPHON. Denn es gibt nichts Häßlicheres als Greise zu sehen, die mit zitternden Händen hastig nach gewaltigen Bechern greifen und sie, weil ihr Kopf schon wackelt, kaum an die Lippen führen können.“

Gerhard van Swieten: Rede über die Erhaltung der Gesundheit der Greise (Wien 1778). Ins Deutsche übertragen von Hugo Glaser. Leipzig 1964 (Klassiker der Medizin und der Naturwissenschaften; Bd. 38). – Van Swieten (1700–1772), ein Schüler von H. Boerhaave in Leiden, ab 1745 in Wien tätig als Leibarzt Maria Theresias; er begründete durch seine Fakultätspolitik die „Erste Wiener Schule“ und reformierte das österreichische Medizinalwesen im Sinne des aufgeklärten Absolutismus. – Der Wein als Mittel der Gesunderhaltung oder gar Heilung entspricht einer traditionellen diätetischen Vorstellung, wobei die Mäßigkeit, das heißt die Einhaltung eines gesunden Mittelmaßes, entscheidend ist.

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