ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2005Erkrankungen von Gelenken und Wirbelsäule: Bildgebende Verfahren unterstützen Diagnostik

MEDIZIN: Kongressberichte und -notizen

Erkrankungen von Gelenken und Wirbelsäule: Bildgebende Verfahren unterstützen Diagnostik

Dtsch Arztebl 2005; 102(11): A-760 / B-638 / C-596

Vogl, Thomas J.; Balzer, Jörn; Mack, Martin

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LNSLNS Bei der Bildgebung von Erkrankungen der Gelenke und Gelenkweichteile galt bisher das konventionelle Röntgen als Standard. Die Zukunft der Gelenkdiagnostik liegt jedoch in der Magnetresonanztomographie (MRT), der Computertomographie (CT) und dem Ultraschallverfahren. Hierüber wurde auf dem 5. Frankfurter interdisziplinären Symposium für innovative Diagnostik und Therapie berichtet, das vom 24. bis 25. September 2004 stattfand.Auf dem Symposium diskutierten Radiologen, Unfallchirurgen und Orthopäden neue Entwicklungen der Bildgebung und erörterten sich hieraus ergebende Konsequenzen.
Die MRT liefert im Unterschied zu den bisher angewandten Methoden exakte topographische Informationen über Gelenkbinnenstrukturen und Gelenkweichteile. Der Ultraschall erlaube die Darstellung der Gelenke mit zusätzlichen dynamischen Informationen während der Bewegung, erklärte Ludwig Zichner, Frankfurt. Durch diese exakteren Diagnosemethoden können genau abgestimmte Therapiestrategien eingeleitet werden.
In der klinischen Routine, insbesondere in der Traumatologie, erweitern Multidetektor-Computertomographen die diagnostischen Möglichkeiten. Aus dem generierten 3D-Volumendatensatz des untersuchten Bereichs können, so Thomas Vogl, Frankfurt, Informationen zu Weichteil-, Knochen- und Gefäßstrukturen in beliebig vielen Ansichten erzeugt werden. Weitere Untersuchungen unter Anwendung von Röntgenstrahlen, wie bislang in der radiologischen Diagnostik, seien daher nicht
notwendig. Die gesamte radiologische Notfalldiagnostik könne in einem Arbeitsschritt durchgeführt werden, Umlagerungen und Transporte für weiterführende Untersuchungen entfallen in vielen Fällen für den Patienten, betonte Ingo Marzi, Frankfurt.
Radiologische Interventionen im Bereich der Wirbelsäule werden vor allem aus diagnostischen Gründen durchgeführt. An erster Stelle steht die Diagnose tumoröser Erkrankungen. Während lange Zeit die chirurgisch offene Biopsie die einzige Möglichkeit war, um Gewebeproben zu gewinnen, seien diese Eingriffe nach Auffassung von Andreas Kurth, Frankfurt, mit den modernen minimalinvasiven Techniken heute auch ambulant möglich. Der Vorteil dieses Verfahrens beruhe in der geringen Komplikationsrate.
Computerunterstützte Navigation
Moderne Operationstechniken eröffnen neue Perspektiven für die Wirbelsäulenchirurgie: Die computerunterstützte chirurgische Navigation hilft dem Chirurgen, Eingriffe präoperativ zu planen als auch während der Operation zu verfolgen. So kann er präoperativ die Anatomie des Patienten beurteilen. Intraoperativ eingesetzt erhält er zu jedem Zeitpunkt Informationen über die tatsächliche Lage seiner Instrumente. „Durch die präzise, computergestützte Navigation in einer virtuellen Bildwelt können die Zugänge zum Operationsgebiet klein gehalten und so der Blutverlust des Patienten und das Infektionsrisiko minimiert werden“ so die Quintessenz von Johannes Frank, Frankfurt.
Durch die demographische Entwicklung ist in Deutschland mit einer dramatischen Zunahme von Knochen- und Gelenkerkrankungen in den nächsten 20 Jahren zu rechnen. Bereits heute sind mehr als die Hälfte aller chronischen Erkrankungen bei Patienten über 60 Jahren Gelenkerkrankungen (insbesondere Osteoporosen). Jeder Vierte in diesem Alter leidet dadurch unter starken Schmerzen und ist in seiner Beweglichkeit erheblich eingeschränkt.
Minimalinvasive Verfahren setzen Radiologen wie Orthopäden stärker auch in der Schmerztherapie ein. Bei Tumoren und bei Osteoporose wird der Schmerz durch einen zunehmenden Verlust an Knochenmasse bedingt. Bei der Vertebroplastie (beziehungsweise Osteoplastie) wird der Verlust von Knochenmasse durch das Einspritzen von zunächst flüssigem Knochenzement ausgeglichen.
Die modernde Diagnostik bei Schulter-, Knie- und Hüftgelenk stellte Martin Vahlensieck, Bonn, vor. Er betonte, dass derzeit die MRT der Schulter bei chronischer Instabilität das primäre bildgebende Verfahren zur Therapieplanung vor der Arthroskopie darstelle. Die klinischen Untersuchungsverfahren der Hüfte werden durch MRT und CT unterstützt, wobei meistens sportmedizinsche Fragestellungen aufgeworfen werden, erklärte Heinz Lohrer, Frankfurt.

Anschrift für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Thomas J. Vogl
Institut für Diagnostische und
Interventionelle Radiologie
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt
Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt
E-Mail: T.Vogl@em.uni-frankfurt.de

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