ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2005Der plötzliche Säuglingstod: Matratze als Verursacher
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LNSLNS Bajanowski und Poets gehen davon aus, dass die Ursache(n) von SIDS nach wie vor ungeklärt und die Vermeidung von Schlafen in Bauchlage, Stillverzicht, Rauchen und Überwärmung die entscheidenden Faktoren für die Prävention seien. Diese verbreitete Auffassung geht darauf zurück, dass der von Richardson 1990 im Lancet berichtete experimentelle Nachweis der Generation extrem toxischer Gase aus Antimon-, Arsen- und Phosphorverbindungen in den Matratzen der Kinder durch einen verbreiteten Haushaltsfungus (1), von der Expertengruppe in Bristol, die das britische Department of Health (DH) berufen hatte, 1995 nicht bestätigt wurde (2). Seitdem der umfangreiche Limerick Report einer zweiten Expertengruppe des DH unter wiederholter Berufung auf Richardsons Anwesenheit, Kooperation und Zustimmung dann im Mai 1998 auch noch konstatierte, dass „durch Wiederholung und Erweiterung von Richardsons Arbeit erwiesen worden sei, dass seine Interpretation seiner Befunde falsch gewesen ist“ (S. 49), wird die toxische Gasetheorie von den Wissenschaftlern in den nationalen, europäischen und internationalen SIDS-Gesellschaften gar nicht mehr diskutiert.
Bei dieser übereinstimmenden Wertung werden drei Tatsachen übersehen: erstens haben beide Expertengruppen im Gegensatz zu ihren Beteuerungen die nach der Auffassung von Richardson angemessensten Empfehlungen für die Untersuchungen ignoriert, offenbar weil sie fürchteten, das seine Hypothese korrekt und für die Regierungsabteilungen blamabel sein könnte, die mit der Überwachung der Kindermatratzen befasst waren; zweitens ist der Rückgang der SIDS-Inzidenz in England von 2,3 Promille 1986–88 auf etwa 0,4 Promille im Jahr 2000 nur zum kleineren Teil auf die im November 1991 begonnene Kampagne zur Vermeidung der Bauchlage zurückzuführen, zum größeren Teil auf die 1988 von Richardson verbreitete Empfehlung, neue oder polyäthylenumhüllte Matratzen zu verwenden, sowie auf den Cook-Report im Fernsehen 1994, der die (britischen) Matratzenhersteller veranlasste, das Antimon und Arsen aus den Matratzen zu nehmen; drittens bleibt die Blockade der Cholinesterase im zirkulierenden Blut durch diese Verbindungen und der im Extremfall resultierender Herzstillstand die einzige konsistente Erklärung für die Pathophysiologie von SIDS und alle damit verbundenen Umstände, einschließlich des Fehlens pathologischer Befunde (3).
Für Ärzte und vor allem Eltern ist jetzt von entscheidender Bedeutung, dass man ein Kind durch Umhüllung seiner Matratze mit einer geeigneten Folie aus reinem Polyäthylen (auf einem dicken waschbaren Moltontuch) vollkommen sicher vor dem plötzlichen Säuglingstod bewahren kann. Das hat TJ Sprott in Neuseeland an seinen inzwischen weit über jeden denkbaren Zweifel erhabenen Zahlen bewiesen (4).

Literatur
1. Richardson BA: Cot mattress biodeterioration and SIDS. Lancet 1990; 330: 670.
2. Warnock DW, Delves HT, Campell CK et al.: Toxic gas generation from plastic mattresses and sudden infant death syndrome. Lancet 1995; 346: 1516–20.
3. Richardson BA. Progress in reducing cot deaths since 1988. J Nutr Env Med 2002; 12: 113–115
4. Sprott TJ: Cot death - cause and prevention: experiences in New Zealand 1995-2004. J Nutr Env Med 2004; 14: 221–232. (http://www.tandf.co.uk/journals/titles/ 1390847. asp).

Dr. med. Hannes Kapuste
Hufnagelstraße 1
80686 München
E-Mail: hannes.kapuste@t-online.de

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