ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1997Ausstellung: Auf den Spuren der Mistel

VARIA: Feuilleton

Ausstellung: Auf den Spuren der Mistel

Glöser, Sabine

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LNSLNS Als Heilpflanze war sie bereits in der Antike bekannt – die europäische Mistel, Viscum album L. Hippokrates empfahl sie gegen die "Milzsucht", sie fehlte in keinem Kräuterbuch des 16. und 17. Jahrhunderts. Heute wird die Mistel in der antroposophisch orientierten Medizin als Krebstherapeutikum eingesetzt.
Um die naturwissenschaftliche sowie kultur- und kunstgeschichtliche Bedeutung der Mistel zu veranschaulichen, präsentiert das Museum des Kreises Neuss in Zons die Ausstellung "Mistel – Arzneipflanze, Brauchtum und Kunstmotiv". Die Objekte stammen aus zwei großen Privatsammlungen, Museen und Bibliotheken sowie vom Verein für Krebsforschung in Arlesheim in der Schweiz.
Die Präsentation geht auf die zahlreichen Bräuche ein, die mit der weihnachtlichen Mistel als Glücksbringer verbunden sind und hauptsächlich in England und Frankreich praktiziert werden. Ihre heil- und glückbringende Wirkung geht auf die keltische Mythologie zurück. Mit großem Zeremoniell wurde sie damals an bestimmten Tagen in der Nähe der Sonnenwenden von den keltischen Priestern eingeholt und als Glücksbringer verteilt.
Um die Jahrhundertwende erlebte die Mistelverehrung auf Weihnachts- und Neujahrspostkarten mit Mistelzweigen einen neuen Höhepunkt. Denn in Frankreich wurden kultische Bräuche wiederentdeckt. Das Zeremoniell des Misteleinholens wurde in lebenden Bildern nachgestellt und in Postkartenserien vervielfältigt.
Um 1900 entdeckte das europäische Kunsthandwerk die Mistel als Dekor. Sie gehörte neben den Seerosen, Orchideen, Clematis und Weinranken zu den bevorzugten Gewächsen. Diese eigneten sich entweder von ihrer Natur aus besonders gut als Dekorform oder entsprachen in ihrer tieferen Bedeutung dem Symbolismus der Epoche des Jugendstils.
Zu den zahlreichen Objekten in der Ausstellung gehören Schmuck, Gläser, Vasen oder Bestecke mit Misteldekoren. Der medizinisch orientierte Besucher kann sich ebenso umfassend informieren wie die am Kunsthandwerk Interessierten. Die Ausstellung ist bis zum 19. Januar 1997 im Kulturzentrum in DormagenZons zu sehen. Führungen können telefonisch vereinbart werden (Tel 0 21 33/4 67 15). SG
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