ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2005Krebsforschung: Widerspruch!
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LNSLNS In dem oben genannten Artikel heißt es, dass durch die Krebs-Mehrschritt-Therapie nur bei einem Drittel der Tumorpatienten der Krankheitsverlauf nicht beeinflusst werden konnte, wohingegen bei zwei Dritteln der Patienten das Tumorwachstum vorübergehend zum Stillstand gebracht worden sei bzw. eine Rückbildung zu beobachten gewesen sei. Dem widersprechen die Daten einer Bestfallanalyse, die unsere AG „Biologische Krebstherapie“, gefördert von der Deutschen Krebshilfe, erhoben und 1997 veröffentlicht hat. Wir hatten Herrn Prof. von Ardenne gebeten, die Unterlagen seiner am erfolgreichsten behandelten Patienten einsehen zu dürfen. Es wurden also nur die 20 besten Fälle untersucht. Solch eine Bestfallanalyse erlaubt bei unkonventionellen Verfahren einen raschen und rationellen Überblick, um dann bei positivem Ergebnis weitere Untersuchungen anzuschließen. Nach genauer Sichtung der Originaldaten und Bewertung des Therapieergebnisses nach international praktiziertem Standard kamen wir zu einer diskrepanten Einschätzung im Vergleich zu den Behandlern. Bei ausschließlicher Anwendung der Krebs-Mehrschritt-Therapie (neun Patienten) konnten wir anstelle der neun behaupteten Remissionen lediglich eine fragliche Teilremission nachvollziehen. Bei Patienten, die zugleich eine Chemotherapie erhalten hatten (elf Patienten), gab es nach unserer Einschätzung nur vier Rückbildungen, wobei drei Patienten zeitgleich mit einer neuen Chemotherapie begonnen hatten. Dadurch bleibt unklar, welche Behandlungsmethode den Erfolg bei diesen drei Patienten herbeigeführt hat. Die uns bis 1997 vorliegenden Daten beweisen keineswegs die Wirksamkeit der systemischen Krebs-Mehrschritt-Therapie, insbesondere wenn man bedenkt, dass es sich um eine Selektion der angeblich größten Erfolge aus mindestens 460 Patienten handelt. Eine Diskussion über Paradigmenwechsel oder mangelndes naturwissenschaftliches Denken der Ärzte ersetzt nicht solide und vor allen Dingen positive Daten.
Literatur bei den Verfassern
Dr. rer. nat. Karin Weigang-Köhler,
Prof. Dr. med. M. Wilhelm,
Medizinische Klinik 5/Onkologie und Hämatologie, Klinikum Nürnberg,
Prof.-Ernst-Nathan-Straße 1,
90419 Nürnberg
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