ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2005Krebsforschung: Nicht die Spitze seiner Leistungen

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Krebsforschung: Nicht die Spitze seiner Leistungen

Dtsch Arztebl 2005; 102(12): A-823

Hakimi, Rainer

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LNSLNS Es ist schon aller Ehren wert, was der Wissenschaftler und Unternehmer Manfred von Ardenne geleistet hat. Allerdings ist die Krebs-Mehrschritt-Therapie, ebenso wie die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie, nach meiner Ansicht nicht die Spitze seiner Leistungen gewesen. Beide Therapieverfahren sind weder von der Wirkhypothese her nachvollziehbar, noch gibt es Studien von annehmbarer wissenschaftlicher Evidenz, die eine Wirksamkeit dieser Behandlungsverfahren belegen. Schon die Art der Anwendung lässt Zweifel an der Sinnhaftigkeit aufkommen. Bei der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (SMT) wird zunächst ein Medikamentencocktail aus Vitamin C-/B-Vitaminen, Magnesiumorotat und Dipyridamol zur „Förderung der Sauerstoffaufnahme“ verabreicht oder infundiert, dann über eine Maske ein Sauerstoff-Luft-Gemisch mit einem Sauerstoffanteil von 50 bis 95 Prozent verabreicht – vorzugsweise unter gleichzeitiger Ergometerbelastung. Bei der Krebs-Mehrschritt-Therapie handelt es sich, wie dargestellt, um eine Hyperthermiebehandlung (verschiedenster Art) in Kombination mit einer Glucoseinfusion, die zur Übersäuerung des Krebsgewebes führen soll. Zur „Wirkungsverbesserung“ werden auch gerne Thymusextrakte eingesetzt. Besonders unkritisch wird mit der propagierten Indikationsstellung umgegangen. So soll die Krebs-Mehrschritt-Therapie quasi unabhängig von Tumorart und Tumorstadium wirksam sein. Die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie hat eine Indikationsliste, die wie ein medizinisches Handlexikon anmutet. Sie soll wirksam sein sowohl bei arteriellen Durchblutungsstörungen des Herzens, der Hirngefäße und der peripheren Arterien, bei Hypertonie und Hypotonie, degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Ekzemen und sonstigen chronischen Hautkrankheiten, Lebererkrankungen unabhängig von Art, Ätiologie und Pathogenese. Aber auch bei der Erleichterung des Geburtsvorganges, bei Hör- und Sehstörungen sowie zur Prophylaxe von Medikamentennebenwirkungen und dem Entgegenwirken von Alterungsprozessen, genauso wie zur Vorbeugung von Tumorerkrankungen, soll die SMT helfen. Insofern ist es meines Erachtens nachvollziehbar, dass diese Therapiemethoden keine GKV-Leistung sein können. Im Übrigen leisten auch die meisten PKV-Unternehmen nachvollziehbarerweise nach meiner Kenntnis nicht für diese beiden Therapien, da Wirksamkeit und Nutzen nicht nachgewiesen sind, andererseits aber potenzielle Gefahren bestehen, einerseits durch die Atmung von hochprozentigem Sauerstoff, andererseits durch das Versäumnis oder Verzögern von wirksamer Therapie.
Dr. Rainer Hakimi, HALLESCHE Private Kran­ken­ver­siche­rung a. G., Reinsburgstraße 10, 70178 Stuttgart
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