ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2005Exzessive Schläfrigkeit: Wachheit verbessern ohne Suchtgefahr

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Exzessive Schläfrigkeit: Wachheit verbessern ohne Suchtgefahr

Dtsch Arztebl 2005; 102(12): A-847

Bischoff, Martin

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LNSLNS Menschen, die trotz ausreichender Schlafdauer chronisch häufig zum Einschlafen neigen, die in unangebrachten oder sogar gefährlichen Situationen, beispielsweise während der Autofahrt, in Schlaf verfallen, leiden unter exzessiver Schläfrigkeit. Das Problem ist nicht so selten, wie man meinen könnte. Eine Umfrage in Deutschland unter 400 Männern und Frauen habe die Tagesschläfrigkeit bei drei bis sechs Prozent der untersuchten Population gefunden, berichtete Prof. Heinrich F. Becker (Marburg).
Mehr als 80 Ursachen, zum Beispiel Schichtarbeit, Schlafmangelsyndrom, Herzinsuffizienz, Narkolepsie oder Restless-Legs-Syndrom, sind für die exzessive Schläfrigkeit bekannt. Zu den wichtigsten Auslösern zähle die obstruktive Schlafapnoe (OSAS), berichtete Becker. Primär wird die mittelschwere bis schwere Form dieser schlafbezogenen Atemstörung mit nasaler CPAP (Continuous Positive Airway Pressure) behandelt.
Nicht immer aber führt diese Therapie zum gewünschten Erfolg, wie Dr. Manfred Held (Kempten) am Beispie eines 68 Jahre alten Patienten zeigen konnte. Trotz nCPAP bestand eine quälende Restmüdigkeit weiter. Wirkliche Besserung brachte erst die zusätzliche medikamentöse Therapie mit Modafinil (Vigil®).
Stimulierend wirkende Antidepressiva, koffeinhaltige Substanzen oder Amphetamine zeigten keine vergleichbare Wirksamkeit an den vigilanzregulierenden Zentren im Hypothalamus und den verbundenen Nervenstrukturen wie dieses erste und einzige gezielt zur Förderung der Wachheit entwickelte Medikament, erläuterte Prof. Göran Hajak (Regensburg). Das Benzhydrylsulfinyl-Acetamid-Derivat Modafinil besitzt keine Verwandtschaft mit herkömmlichen Stimulanzien, vielmehr wirkt es fokussiert auf das Schlaf-Wach-Zentrum im Hypothalamus.
Klinische Daten mit Modafinil existieren zur exzessiven Schläfrigkeit bei Narkolepsie, beim Schichtarbeitersyndrom (für diese Indikation in Deutschland nicht zugelassen) und gegen die residuale Schläfrigkeit bei OSAS. In den Dosierungen 200 und 400 mg wird die Wachheit signifikant und andauernd gegenüber Placebo verbessert. Ebenfalls signifikante Veränderungen ergeben sich für die Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, am täglichen Leben teilzunehmen. Modafinil verringert zwar die exzessive Schläfrigkeit, beeinträchtigt aber nicht den Schlaf während der Nacht.
Die einzige Nebenwirkung, mit der nach Angabe der Referenten häufiger als unter Placebo gerechnet werden muss, sind Kopfschmerzen. Keine Veränderungen wurden für den Blutdruck beobachtet. Hajak wies darauf hin, dass Modafinil von allen selektiven Wachmachern das geringste Missbrauchsrisiko besitzt. Martin Bischoff

Pressekonferenz „Exzessive Schläfrigkeit: Der Schmerz der Schlafmedizin“ in München, Veranstalter: Cephalon GmbH
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