ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2005Therapie des Herzstillstandes vor 40 Jahren

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Therapie des Herzstillstandes vor 40 Jahren

Reichel, Klaus

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LNSLNS Es war im Jahre 1962. Nach abgeschlossenem Studium und Medizinalassistenzzeit landete ich an einem mittelgroßen Krankenhaus in Stade. Eines Tages ging ich wie üblich mit meinem Spritzentablett von Bett zu Bett, um die fälligen i.v.-Injektionen zu verabreichen, damals noch die so häufigen täglichen Injektionen von Cordalin-Strophanthin – heute längst vergessen. In einem der damals üblichen 8-Betten-Säle verabreichte ich einer Patientin schön langsam ihr Eisenpräparat i.v., ging weiter zur nächsten Patientin. Dort gerade mit der Injektion fertig, sagte die Vorgängerin „mir wird schlecht“, wurde blass und schloss die Augen. Ich eilte hin: kein Puls, weder peripher noch auskultatorisch. Noch einige Atemzüge. Was tun?
Es gab noch keine Mund-zu-Mund-Beatmung (davon las ich erstmals ein Jahr später in Reader’s Digest), keine Herzdruckmassage, keinen Monitor, keinen Defibrillator. Das nächste EKG stand in einem anderen Gebäude in 150 m Entfernung. Dort saß auch der Oberarzt. Das einzig mir bekannte Mittel: Suprarenin 1 : 1 000 intrakardial – was ich noch nie gemacht hatte.
Ich stürzte auf den Gang, brüllte lauthals: „Schwester, schnell eine Ampulle Suprarenin mit langer Nadel!“ Es ging relativ schnell, wenn auch beim Aufziehen der halbe Ampulleninhalt verschüttet wurde. Ich stach vorschriftsmäßig, natürlich ohne Lokalanästhesie, im 4. ICR links parasternal ein, bis Blut kam, und injizierte. Nichts geschah, die Nadel mit aufgesteckter Spritze blieb unbeweglich! „Noch eine Ampulle aufziehen“ – mein nächstes Kommando. Doch da, oh Wunder: Die Nadel begann sich rhythmisch zu bewegen. Schnell raus mit der Nadel! Noch eine halbe Minute, die Patientin schlug die Augen auf.
Wie es weiterging: Die Patientin blieb einen Tag im Bett, es gab kein Herz-Echo zum Ausschluss eines Hämatopericards, keine Monitorüberwachung. Die Patientin wurde nach einigen Tagen beschwerdefrei entlassen.
Seither habe ich nie mehr Eisen i.v. gegeben.
Dr. med. Klaus Reichel
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