ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1997Verschreibungen: Spielregeln für alle

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Verschreibungen: Spielregeln für alle

Munter, Karl-Heinz

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LNSLNS Eine niedergelassene Ärztin für Allgemeinmedizin verschreibt einer ihrer Patientinnen statt des Originalpräparates ein wirkstoffgleiches Generikum. Sie erklärt ihr, daß sie ein preisgünstigeres Präparat mit identischem Wirkstoff erhält. Die Patientin geht zu ihrer Krankenkasse, um dort von ihrer Kundenberaterin zu erfahren, daß die behandelnde Ärztin selbstverständlich das Originalpräparat hätte verschreiben können. Und selbstverständlich wäre dieses Präparat auch von der Krankenkasse bezahlt worden. Im weiteren Gesprächsverlauf schlägt die Kundenberaterin dieser Krankenkasse der Patientin vor, doch den Arzt zu wechseln. Auch läßt sie durchblicken, daß zusätzlich auch eine fachärztliche Behandlung jederzeit von der Krankenkasse bezahlt würde.
Hier stimmt etwas nicht! Den Ärzten wird von der Politik ein Arzneimittelbudget oktroyiert. Die Krankenkassen fordern dessen Einhaltung ein. Dann kann es schlechterdings nicht sein, daß eine Krankenkasse eine kostensparende Maßnahme, siehe oben, konterkariert. Das Beispiel stellt leider keinen Einzelfall dar. Die Krankenkassen geben angesichts des steigenden Konkurrenzkampfes Wünschen ihrer Versicherten nach. Das paßt nicht zu der Aufforderung an die Ärzteschaft, dem Patientendruck standzuhalten und "Wunschverordnungen" zu versagen. Auch im gesundheitspolitischen Raum müssen die gleichen Spielregeln für alle gelten. Alles andere führt zu einer Verunsicherung der Patienten und der Untergrabung der gegenseitigen Autoritäten und Kompetenzen. Die gegenüber der Ärzteschaft erhobene Forderung, bei der Verschreibung von Arzneimitteln zu sparen, wird zu einer leeren Worthülse, wenn die Krankenkassen es nicht schaffen, in ihren eigenen Organisationen bis zum letzten Kundenberater ihrer Bezirksstelle selbst ihren Beitrag zu leisten und die Bemühungen der Ärzteschaft um Kosteneinsparungen bei ihren Versicherten zu unterstützen. Andernfalls würden sie zu unfairen Mitspielern im gesundheitspolitischen Geschäft. Karl-Heinz Munter, AkdÄ
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