ArchivDeutsches Ärzteblatt7/1996Börsebius – Rund ums Geld: Von Fokker und Fonds

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius – Rund ums Geld: Von Fokker und Fonds

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Auch am ersten Februarsamstag liefen beim Börsebius-Leserservice wieder die Drähte heiß. Den vielen Anrufern, die nicht durchkamen, sei der Trost gewidmet, daß die Aktion jeden ersten Samstag im Monat von neun bis 13 Uhr stattfindet oder sich ihr Problem möglicherweise in der folgenden Zusammenfassung wiederfindet. Es gibt etliche Anlageberater, die versuchen, mit dem Knüppel "Währungsunion" ihren Kunden Immobilienfonds zu verkaufen. Jede Menge Anrufe kamen zu solchen Ansprachen. Die Argumentation "Kaufen Sie Immobilienfonds, man weiß ja nicht, was mit der Währungsunion auf uns zukommt" ist Blödsinn, grober Unfug sowieso. Das eine hat mit dem anderen wirklich nichts zu tun.
Die zentrale Frage ist, ob man Immobilienfonds als gute Geldanlage ansieht oder nicht. Im Prinzip sind offene Immobilienfonds eine solide Sache (geschlossene in der Regel nicht!), dennoch rate ich zur Zeit klar und deutlich vom Erwerb von Immobilienfonds ab. Begründung: Der Immobilienmarkt befindet sich in einem derart desolaten Zustand, daß davon auch die Preisentwicklung dieser Fonds betroffen sein wird. Das heißt aber auch, daß man durchaus einen Verkauf seiner Bestände in Erwägung ziehen kann, um vielleicht in zwei oder drei Jahren billiger einzusteigen.
Nicht wenige Fokker-Geschädigte meldeten sich, wie es denn um ihre Anleihen stünde. Das ist in der Tat eine schwierige Frage. Wahr ist aber, daß Daimler bislang zu den Anleihen keine Patronatserklärung abgegeben hat. Wenn Fokker wirklich pleite geht, bleiben den Anleihegläubigern mickrige Quoten von schätzungsweise 30 Prozent. Wie im übrigen die Haftungsfrage bei Banken aussieht, ist derzeit noch offen. Ich habe von einem Fall gehört, in dem eine Sparkasse noch im Vorjahr einem Kunden aus dem eigenen (!) Handelsbestand Fokker-Anleihen angedient hat. Da bin ich sehr gespannt, ob sich die Sparkasse exkulpieren kann.
Eine ganz pfiffige Steuerlochspürnase erzählte mir, daß er eine Lebensversicherung auf seinen Sohn abgeschlossen habe, weil wegen des niedrigen Einstiegsalters die Prämien günstiger seien und der Filius seine Freibeträge noch nicht ausgeschöpft habe. Das sei gut für den Fall, daß das sogenannte Steuerprivileg bei über 12jährigen Lebensversicherungen falle, wonach die Erträge dann nicht mehr steuerfrei seien. Sichergestellt sei überdies, daß der Sohn die Versicherungssumme nicht verjuxen könne, wenn er ins Flegelalter komme, weil er, der treusorgende Vater, sich als Begünstigten eingesetzt habe. Prima Idee das. Bloß: Wehe ihm, wenn der Fiskus Lunte riecht. "Gestaltungsmißbrauch im Sinne der Abgabenordnung" könnte er das Konstrukt nennen und die schöne Idee plattmachen. Wirklich schade drum. Börsebius
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