ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1997Organspende: Nicht in meinem Namen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Organspende: Nicht in meinem Namen

Hornstein, Brigitte

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LNSLNS . . . Ich fühle mich als Ärztin für eine Sache instrumentalisiert, von der ich nicht überzeugt bin. Der empfindliche Punkt ist meines Erachtens der Hirntod als Definition des Todes eines Menschen.
Wo bleibt der Geist eines Menschen, seine Seele, eventuell sogar seine "Aura"? Gibt es dies wirklich alles nicht mehr bei einem Menschen, der "nur" hirntot ist? Ich wehre mich dagegen, den Menschen nur als Summe bestimmter Funktionen zu sehen mit einer übergeordneten Schaltzentrale, deren Ausfall auch das Ende des Menschseins bedeuten soll. Außerdem meine ich, daß wir die Toten wie auch die Sterbenden "ruhen" im Sinne von "in Ruhe" lassen sollten, das heißt, wir sollten Sterben so gut es geht erleichtern, aber wir sollten diese Zeit eines Menschen und auch ihr Ende, den Tod, akzeptieren. Der Tod aber ist nach meinem Empfinden ein Vorgang, der sich über mehrere Stunden oder auch Tage hinziehen kann, und in dessen Ablauf, wenn er denn unwiederbringlich begonnen hat, wir nicht eingreifen sollten. Eine operative Organentnahme zu diesem Zeitpunkt stört die Ruhe des betroffenen Menschen während dieses Vorgangs.
Obwohl ich Ärztin bin, stehe ich der Organspende ablehnend gegenüber, und die Bundes­ärzte­kammer spricht jedenfalls nicht in meinem Namen.
Dr. med. Brigitte Hornstein, Neißestraße 8, 48145 Münster
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