ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2005Penicillintherapie trotz Penicillinallergie? Unverständnis
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LNSLNS So ganz verstehe ist die Absicht des Artikels nicht, wenn von den Autoren selbst ausgeführt wird: „Es ist zumindest theoretisch möglich, Patienten durch allergologische Hauttests (. . .) gegen die Testsubstanz zu sensibilisieren.“ Das ist mir schon immer klar, deshalb habe ich nie Antibiotikatestungen vornehmen lassen. Wenn die Autoren also mit dem Artikel beziehungsweise mit ihrer Untersuchung dazu ermuntern wollen, solche Testungen vorzunehmen, muss man ebenfalls mitteilen, wie der dann darauf vertrauende und somit rezeptierende Kollege erfährt, ob er einen durch die vorausgegangene Testung – iatrogen – sensibilisierten oder dadurch noch nicht sensibilisierten Patienten vor sich hat. Dies ist für diesen dann aber eine conditio sine qua non. Nach meiner Kenntnis ist diese Differenzierung aber bisher nicht möglich. Daher trägt der verordnende Kollege ein viel zu hohes Risiko, wenn eine allergische Reaktion, welchen Schweregrades auch immer, danach auftritt. Also gilt auch weiterhin, dass die Penicillintestung, ob positiv oder negativ im Ergebnis, nur dem Tester einen Nutzen bringt und der Krankenkasse Kosten verursacht. Da sind 18 Euro schon zu viel, die anderweitig fehlen.
Befremdet hat mich auch der Satz: „. . . oder die Sensibilisierung ging im Laufe der Zeit verloren.“ Wie soll ich als praktizierender Kollege denn im Krankheitsfall ad hoc entscheiden, ob die anamnestische Penicillinallergie vielleicht „verlorenging“? Der potenziell allergisch reagierende Patient nimmt das Penicillin aus Angst möglicherweise gar nicht ein. Oder auf eine ausgelöste Allergie folgt eventuell ein Rechtsstreit, bei dem ich mich unter Umständen vor Gericht dann mit Empirie herausreden muss. Ich meine daher: Gesunde zu testen verbietet sich, nicht zuletzt, um sie gar nicht erst zu sensibilisieren. Denn trotz negativem Test können diese Patienten bei einem Penicillineinsatz im Krankheitsfall gegebenenfalls dann doch allergisch reagieren. Im Krankheitsfall bleibt zum Testen keine Zeit, sondern es muss sofort behandelt werden.

Dr. med. Roland Bretschneider
Sutelstraße 54 A
30659 Hannover

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