ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2005Penicillintherapie trotz Penicillinallergie? Schlusswort
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die zahlreichen Zuschriften aus allen Fachrichtungen zeigen, dass das Problem der vermeintlichen Penicillinallergie und deren Folgen in der Ärzteschaft zunehmend erkannt werden. Wir hoffen, dass unsere Publikation dazu beiträgt, die Penicillinallergien kritischer zu hinterfragen beziehungsweise diagnostisch abzuklären. Nicht alle Fragen zur Penicillinallergie sind geklärt und eindeutig zu beantworten, das zeigen auch die hier publizierten Zuschriften.
Zu Herrn Hagedorn: Die Möglichkeiten falschnegativer Provokationstests müssen selbstverständlich berücksichtigt werden. Insbesondere, wenn das Ereignis mehr als ein Jahr zurückliegt, sind falschnegative Provokationen möglich. Weiterhin ist durch die ansteigenden Provokationsdosen eine Toleranzinduktion denkbar. Trotzdem bleibt eine Provokation die beste/einzige Methode eine Penicillinallergie sicher auszuschließen oder zu bestätigen.
Nach einer negativen oder positiven Provokation erübrigen sich die theoretischen Überlegungen zur Sensitivität und Spezifität der Bestimmung des spezifischen IgE. Dagegen ist bei einer passenden Anamnese (Soforttypreaktion) und Nachweis von spezifischem IgE eine Provokation nicht mehr nötig beziehungsweise kontraindiziert. Herr Hagedorn schreibt, dass bei circa 20 Prozent der Patienten, die mit Penicillin behandelt werden, spezifische IgE-Antikörper (asymptomatische spezifische IgG-Antikörper sind gut bekannt) auftreten; die Literatur, von der diese Daten stammen, würde uns sehr interessieren. Bei Verdacht auf Penicillinallergie wird ohne vorherige Hauttests die Gabe von Cefalosporinen vorgeschlagen; dem können wir nicht zustimmen (1). Wegen der zahlreichen falschpositiven Reaktionen halten wir – in Übereinstimmung mit der aktuellen Literatur – den Scratchtest für obsolet.
Zu Herrn Jungblut: Es ist klar, dass in der Akutsituation für eine allergologische Diagnostik keine Zeit mehr bleibt. Aber gerade deswegen sollten dem genannten Patienten geraten werden, nach der Behandlung seine Penicillinallergie dringend beim Allergologen abklären zu lassen, damit der behandelnde Arzt das nächste Mal nicht vor dem gleichen Problem steht.
Zu Herrn Bretschneider: Jede Diagnostik unterliegt grundsätzlich einer Nutzen-Risiko-Abwägung. Wir respektieren die Meinung, bei Verdacht auf eine Penicillinallergie gar nichts zu unternehmen. Das führt aber dazu, dass weiterhin 75 bis 85 Prozent der Patienten mit vermeintlicher Penicillinallergie (inzwischen fast zehn Prozent der Bevölkerung) Reserveantibiotika erhalten; das bedeutet Mehrkosten und mehr Nebenwirkungen bei geringerer Wirksamkeit. Die Bemerkung hinsichtlich der „18 Euro“ ist deswegen kurzfristiges Kostendenken ohne die Folgekosten zu berücksichtigen. Zur Notwendigkeit der Diagnostik dürfen wir auch auf die Zuschriften von Herrn Jungblut und Herrn Schmidt verweisen. Durch eine vollständige allergologische Diagnostik, das heißt inklusive Provokationstests, ist sichergestellt, dass der Patient Penicillin verträgt.
Zu Herrn Schmidt: Der Autor ergänzt unsere Arbeit mit einer Beschreibung des so genannten Aminopenicillin-Syndroms bei Epstein-Barr-Virusinfektion. Eine allergologische Diagnostik beweist Ärzten und Eltern (häufig sind beide Seiten von einer Allergie überzeugt), dass dieses Exanthem keine Folge einer Pencillinallergie ist.

Literatur
Romano A et al.: Cross-reactivity and tolerability of cephalosporins in patients with immediate hypersensitivity to penicillins. Ann Intern Med 2004; 141: 16–22.

Priv.-Doz. Dr. med. Axel Trautmann
Klinik und Poliklinik für
Haut- und Geschlechtskrankheiten
Josef-Schneider-Straße 2
97080 Würzburg
E-Mail: trautmann_a@klinik.uni-wuerzburg.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Stellenangebote