ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1997Knochenlymphome: In vielen Fällen besteht systemische Beteiligung

POLITIK: Medizinreport

Knochenlymphome: In vielen Fällen besteht systemische Beteiligung

Becher, Franziska

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LNSLNS Weil das primäre Knochenlymphom relativ selten diagnostiziert wird, ist oft bei systemischen Erkrankungen die Differenzierung zwischen primärem Knochenursprung oder sekundärer Metastasierung nicht möglich. Bekannt ist, daß vier Prozent aller Patienten mit Non-Hodgkin-Lymphom eine primäre Knochenbeteiligung zeigen. Routine-Knochenmarkuntersuchungen könnten eine solche bis zu 18 Prozent nachweisen, berichtete Dr. Hans R. Dürr (Universität München) während der 11. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Osteologie in Magdeburg.
In einem großen Patientenkollektiv der Mayo-Klinik habe sich bei 38 Prozent der Patienten mit Knochenlymphomen eine systemische Beteiligung gefunden. Ziel dieser Untersuchung sei die Darstellung von Klinik, Therapie und Prognose dieser Patienten gewesen. Im Zeitraum zwischen 1980 und 1993 seien 15 Patienten auf Grund eines Knochenlymphoms in seiner Klinik operativ versorgt worden. Das Durchschnittsalter bei zehn Männern und fünf Frauen habe dabei 50,4 Jahre betragen.
Evaluiert wurden Klinik, Vorbehandlung, Therapie, Nachbehandlung und Prognose. Die häufigste Symptomatik war der Schmerz, welcher bei allen Patienten aufgetreten sei, beschrieb der Münchener Orthopäde. Eine pathologische Fraktur habe sich bei zwei, ein Tumor in drei Fällen gefunden. Neurologische Ausfälle seien in vier Fällen registriert worden. Seitens der Lokalisation habe eine multiple Skelettbeteiligung in drei Fällen vorgelegen. Insgesamt habe der mit Scapula, LWS, Becken und Femur stammnahe Bereich überwogen.


Lytischer Tumor
In acht Fällen, so Dürr, wurde lediglich eine Biopsie, in zwei Fällen mit LWS-Beteiligung eine Dekompression mit und ohne Stabilisation, einmal auch ein Wirbelkörperersatz vorgenommen. Verbundosteosynthesen und Standardhüftendoprothesen mußten in vier Fällen auf Grund pathologischer Frakturen oder drohender Fraktur durchgeführt werden. In vier Fällen war die Diagnose bereits präoperativ gesichert. Eine Dissemination der Erkrankung bestand in fünf Fällen. Chemotherapeutisch vorbehandelt fanden sich vier Patienten. Eine lokale Radiatio war bereits in drei Fällen erfolgt. Postoperativ wurde in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand und entsprechender Vorbehandlung die Chemotherapie mit gegebenenfalls nachfolgender Radiatio angestrebt. Die Überlebenszeit betrug durchschnittlich 53 Monate.
Dürr führte weiter aus, daß sich zumeist nach dem 3. Lebensjahrzehnt das Knochenlymphom als in der Regel lytischer Tumor des Markraumes findet. Eine kurative Resektion sei bei der häufig systemischen Erkrankung selten möglich. Nach der Diagnosesicherung erfolge deshalb die systemische Therapie mit zum Teil adjuvanter lokaler Radiatio. Bei neurologischer Kompressionssymptomatik ist nach Dürr die operative Entlastung indiziert. Periphere stabilitätsgefährdende Läsionen seien zur Erhaltung der Mobilität des Patienten zu versorgen, insbesondere angesichts seiner langen Lebenserwartung. Franziska Becher

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