ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1997Telemedizin: Die neuen Medien werden vielseitig genutzt

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Telemedizin: Die neuen Medien werden vielseitig genutzt

Schmidt, Klaus

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LNSLNS Auf dem 47. Nürnberger Fortbildungskongreß der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer vom 6. bis 8. Dezember 1996 bildete die Telemedizin beziehungsweise -konsultation einen Schwerpunkt. Die Möglichkeiten der Telekommunikation und die Aktivitäten der bayerischen Ärzteschaft wurden jedoch schon im Vorfeld auf einer eigenen Veranstaltung in München präsentiert.
Die Akzeptanz der Telemedizin wird in dem Maße zunehmen, wie bezahlbare und zuverlässige Systeme verfügbar werden und sich für den medizinischen Anwender Einsatzbereiche abzeichnen, in denen mit Hilfe der Telekommunikation die Qualität der Patientenversorgung verbessert und/oder Kosten gesenkt werden können. Diese Prämisse von Prof. Dr. med. Jörg Rüdiger Siewert und PD Dr. med. Hubertus Feussner vom Klinikum rechts der Isar, München, illustriert die Ziele der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer bei ihrem Engagement auf dem Gebiet der Telemedizin.
Die derzeit bekannten und in Einzelfällen bereits angewandten Verfahren der Telekonsultation sollten deshalb am 6. Dezember auf dem Nürnberger Fortbildungskongreß demonstriert werden, berichtete der wissenschaftliche Leiter des Kongresses, Dr. med. H. Hellmut Koch, Vizepräsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, in München. Die Ärztekammer wolle auf diese nicht aufzuhaltende technische Entwicklung Einfluß nehmen, damit es nicht zu unerwünschten Auswüchsen komme. Koch wies beispielhaft auf die Fortbildung im Internet hin. Ein Problem dabei sei die Qualität des Angebotenen. Niemand wisse, ob das, was die Ärzte darin abrufen könnten, dem heutigen Stand der Wissenschaft entspreche. Ein weiteres Problem seien die Mailboxen, in denen Informationen abgefragt werden könnten. Solange die Kommunikation innerärztlich funktioniert, spricht nach Ansicht von Koch nichts gegen diese Art des Informationsaustausches. Bedenklich sei es aber, wenn die Mailboxen es ermöglichten, daß der Kontakt zwischen Arzt und Patient online stattfinde, ohne daß jemals eine natürliche Arzt-Patienten-Beziehung bestanden habe. Bereits auf dem 49. Bayerischen Ärztetag Mitte Oktober in Füssen hatte Koch betont, daß ärztliche Diagnostik und Therapie darauf beruhen, "daß wir unsere fünf Sinne anwenden". Zur Diagnosestellung und Therapie eines Patienten gehöre unbedingt der persönliche Kontakt und nicht allein der virtuelle.
Ein nicht zu vernachlässigendes Problem ist auch die Datenübermittlung, und hier besonders die Sicherheit von Patientendaten. Die Bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer beschäftigt sich im Dialog mit der Bayerischen Staatsregierung intensiv mit dieser Frage, wobei nahezu alle Referate der Kammer, vor allem aber die Referate Berufsordnung, Fortbildung und Recht, eingebunden sind.
Die einfachste Form der praktischen Anwendung der Telekommunikation in der Medizin ist die Telekonsultation. Dabei werden die Informationen nicht nur verbal wie beim Telefongespräch, sondern auch visuell übermittelt. Die Betrachtung des Röntgenbildes während des Gesprächs kann beispielsweise die zeitaufwendige Übersendung von Beschreibungen ersetzen. Das Risiko von Mißverständnissen oder Fehlinterpretationen lasse sich so ebenfalls vermindern, betont Siewert. Nicht zuletzt werte diese Art der Telekommunikation auch das "Image" der Arztpraxis auf, wenn die Patienten feststellten, daß ihr Hausarzt einen direkten Draht zu allen nötigen Spezialisten habe. Eine Erweiterung der Telekonsultation stellt die Telekonferenz dar: etwa wenn es um die Entscheidungsfindung zwischen verschiedenen Experten im Rahmen einer interdisziplinären Konferenz geht. Laut Siewert ergeben sich dabei zahlreiche zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten, unter anderem die direkte Inspektion des Patienten zur Erfassung seines Allgemeinzustandes oder die Übermittlung von videoendoskopischen Befunden. Solche umfassenden Befundbesprechungen sind notwendig, wenn eine Zweitmeinung eingeholt werden muß. Eine Variation der Telekonferenz ist das Teleteaching, wobei nur noch der untersuchende und unterrichtende Arzt direkt am Krankenbett steht, während das Auditorium vom Hörsaal aus die Anamneseerhebung, die körperliche Untersuchung oder die Behandlung mitverfolgen kann.
Die Bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer engagiert sich mit ihrem Fortbildungsangebot auch direkt in den neuen Medien. Sie hat zu diesem Zweck mehrere interaktive CD-ROMs in Auftrag gegeben. Die ersten beiden Exemplare der Fortbildungsreihe "Fb-i! Fortbildung interaktiv!" sind bereits fertiggestellt. Sie beschäftigen sich mit den Themen "Ernährung und Gesundheit" und "Impfen". Die Kammer plant, die Reihe künftig über einen Fachverlag zu vertreiben. Klaus Schmidt
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