ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1997Umweltthema im Januar: Präzise Informationen zur Abfallwirtschaft

THEMEN DER ZEIT: Berichte

Umweltthema im Januar: Präzise Informationen zur Abfallwirtschaft

Eckel, Heyo; Hüttemann, Ulrich; Rink, Claus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das Thema Abfallwirtschaft erhält aufgrund von Gesetzesänderungen oder Gesetzesneufassungen (Technische Anleitung Siedlungsabfall, Kreislaufwirtschaftsgesetz) in der Umweltpolitik einen neuen Stellenwert. Auch zahlreiche Diskussionen in der Ärzteschaft, gerade zur Problematik der Müllverbrennung und der Anlage von Deponien im Umfeld von Siedlungsflächen, zeigen, daß das Thema dauerhaft aktuell ist. Die Qualität der Diskussionen über diesen Themenkomplex ist jedoch sehr unterschiedlich. Oft fehlen fundierte, fachlich ausreichend begründete Thesen, was man auf die Unkenntnis von Datenbeschaffungsmöglichkeiten zurückführen kann. An zwei Beispielen (Stadt Hannover, Duales System Deutschland) soll im folgenden dieser Problembereich dargestellt werden.
In Zukunft wird die energieeffiziente kommunale Abfallwirtschaft einen hohen Stellenwert einnehmen, da gerade bei Deponien Methan und FCKW-Emissionen eine übergeordnete Rolle spielen. An der Zentraldeponie Hannover treten pro Jahr etwa 66 Millionen m³ Gase aus, wovon etwa 90 Prozent in die Atmosphäre emittiert werden. Davon entfallen etwa 13 000 Tonnen auf Methan und etwa drei Tonnen auf FCKW. Aufgrund der starken Treibhauswirksamkeit der Gase entspricht dies einem Gefährdungspotential von etwa vier Millionen Tonnen Treibhausgas (THG) pro Jahr. Dies entspricht der gleichen Anzahl an Kohlendioxid-Äquivalenten. Durch einen kommunalen Maßnahmenplan ist es gelungen, das Auftreten von etwa 100 000 THGGefährdungspotentialen pro Jahr zu vermeiden. Methan wurde schadstoffarm verbrannt beziehungsweise als regenerative Energiequelle zur Erzeugung von Strom und Wärme durch drei Blockheizkraftwerke genutzt. Dieser Strom wird in die Leitungen der Stadtwerke eingespeist und kann fossile Energieträger zu einem Teil ersetzen. Der Energiespareffekt durch die Stromerzeugung liegt bei einem Kohlendioxid-Einsparpotential von etwa 32 000 Tonnen. Da auch bei der Deponierung von Grünabfall Methan entsteht, wird dieser kompostiert. Dabei fallen keine Methanemissionen an. Die Kompostierung von 24 000 Tonnen Grünabfall und 10 000 Tonnen Bioabfall führt zu einer Einsparung von 1 300 Tonnen Methanemissionen. Das Duale System Deutschland hat als ein Non-Profit-Unternehmen seit 1991 einen "Sammlungs- und Verwertungsauftrag" für gebrauchte Verpackungen mit dem Grünen Punkt. Aus diesen konnten bis zum Jahr 1994 etwa 71 Prozent Glas, 71 Prozent Papier, 52 Prozent Kunststoffe, 56 Prozent Weißbleche und 32 Prozent Aluminium wiederverwertet werden. Dies entsprach insgesamt einer Verwertungsmenge von 4,9 Millionen Tonnen. Im Jahr 1995 waren es bereits 5,3 Millionen Tonnen. Dabei erhöhte sich der Entsorgungsaufwand von 3,2 Milliarden DM auf 3,8 Milliarden DM.
Da der umweltpolitische Stellenwert von Abfallvermeidung und Abfallrecycling stark zugenommen hat, wird eine verständliche Darstellung von Daten und Zusammenhängen, wie die Funktion von Recycling- oder Müllverbrennungsanlagen, immer wichtiger. Auch die Nachfrage nach aktuellem Datenmaterial ist größer geworden. Ärzte und Weiterbildungseinrichtungen verfügen oftmals nicht über die Zeit, Daten regelmäßig anzufordern, zu interpretieren und für bestimmte Interessengruppen aufzubereiten. In einer Untersuchung der Loughborough University of Technology, Großbritannien, wurde herausgestellt, daß eine verständliche und informative Präsentation von Daten zu Abfallthemen im Rahmen grundsätzlicher politischer Entscheidungen relevant ist. Zudem forderte die University of Colorado in einer Studie, bei abfallwirtschaftlichen Fragen interdiziplinäre Zusammenhänge einzubeziehen.


Notwendig: "Verständliche" Daten
Um diesen Grundsätzen bei der Veröffentlichung aktueller Ergebnisse gerecht zu werden, müssen Zahlenmaterial und Verfahrensabläufe zielgruppenspezifisch aufbereitet werden. Mit dieser Thematik befaßt sich die Abteilung Kommunikation und Marketing des Dualen Systems. Vor allem die Bildungsbereiche Schule und Universität sollen in einem ersten Schritt davon profitieren. Zu diesem Zweck kooperiert das Unternehmen mit einem Kölner Gymnasium und der Universität von Halle. Das Duale System stellt Datenmaterial und Verfahrensschemata zur Verfügung. Im Gymnasium sichtet eine interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft das Informationsangebot, wertet es aus und setzt es mit anderen Daten in eine graphische Form um. Dabei wird besonderer Wert auf schnelle Lesbarkeit und gute Verständlichkeit gelegt. Die Universität stellt fachübergreifende umweltmedizinisch relevante Daten zur Verfügung. Diese Materialien sollen schließlich über einen eigenen Kommunikationsserver und ISDN in einem schulinternen Intranet, einer Mailbox und im Internet bereitgestellt werden. Grundlegende Informationen zum Abfallbewirtschaftungssystem bieten zur Zeit das Duale System (http://www.gruener-Punkt.de) und das Kölner Gymnasium (http://ourworld.compuserve.com/
homepages/Gym_Nippes/) auf ihren Internetseiten.


Prof. Dr. med. Heyo Eckel
Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann
Dr. rer. nat. Claus Rink


Rückfragen zur Karte: Georisk GmbH, Schloß Türnich, 50169 Kerpen, Telefon 0 22 37/6 12 22
Rückfragen zum Text: Dr. Claus Rink, Fax 0 22 38/45 01 40, e-mail 100526.2351@compuserve. com, e-mail: Rink.UDS.enviroreport-@t-online.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote