ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2005Organspende: Organentnahme nur unter Vollnarkose

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Organspende: Organentnahme nur unter Vollnarkose

Dtsch Arztebl 2005; 102(19): A-1388 / B-1163 / C-1104

Bannert, Uwe

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LNSLNS Allerorten wird für eine größere Bereitschaft zu Organspenden geworben und dies auch zu Recht als eine ethische Handlung am kranken Mitmenschen nahe gebracht. Geworben wird für einen pietätvollen Umgang mit den Gefühlen der trauernden Angehörigen. In einem schon weiter zurückliegenden Artikel beschrieb das Ärzteblatt, dass aus Kostengründen auf eine Narkose bei der Organentnahme verzichtet wird. Es sei ja ein Großhirntod gesichert festgestellt und somit kein Schmerzempfinden mehr zu befürchten. Unabhängig von einer neurologischen Diskussion über die autonome Arbeitsweise tiefer gelegener Hirnzentren und ihre Schmerzverarbeitungswege ist mir der damalige Artikel mit so viel Entsetzen in Erinnerung geblieben, dass ich im Gespräch mit Bekannten und Patienten auf diese Praxis hinweise. Eine Gesellschaft, die den letzten Dienst eines Sterbenden oder auch schon Gestorbenen mit seiner Organspende aus Kostengründen entwertet, steht moralisch nur graduell besser da als eine auf Geldvorteil ausgerichtete Organspende. Pietätvoller Umgang mit dem Sterben und dem Tod setzt voraus, dass Menschen, die zu einer Organspende bereit sind, von der meinetwegen laienhaften gedanklichen Nähe einer Vivisektion bewahrt bleiben. Was erlebt denn wohl ein geköpftes Huhn, das noch über den Hof flattert? Die neuerlichen Artikel im Ärzteblatt geben mir Anlass, nach dem heutigen Stand dieser Praxis zu fragen. Gegebenenfalls sollte in die Organspendeausweise der ausdrückliche Auftrag vermerkt sein, dass eine Organentnahme nur unter Vollnarkose erfolgen darf.
Dr. med. Uwe Bannert, Oldesloer Straße 9, 23795 Bad Segeberg
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