MEDIZIN

Medizingeschichte(n): Antike Medizin – Humoralpathologie

Dtsch Arztebl 2005; 102(22): A-1593 / B-1338 / C-1262

Schott, H.

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Zitat: „Der Körper des Menschen hat in sich Blut und Schleim und gelbe und schwarze Galle, und das ist die Natur seines Körpers, und dadurch hat er Schmerzen und ist gesund. Am gesündesten ist er, wenn diese Säfte im richtigen Verhältnis ihrer Kraft und ihrer Quantität zueinander stehen und am besten gemischt sind. Schmerzen hat er, wenn etwas von ihnen zu viel oder zu wenig vorhanden ist oder sich im Körper absondert und nicht mit dem Ganzen vermischt ist. Denn notwendig wird, wenn etwas von diesen Säften sich absondert und für sich bleibt, nicht nur der Körperteil, von dem es sich absondert, krank, sondern es macht auch die Stelle, wo es sich sammelt und wohin es sich ergießt, durch Überfüllung Schmerz und Beschwerden. Und auch wenn aus dem Körper von diesen Bestandteilen mehr herausfließt, als er im Übermaß hat, macht die Entleerung Schmerz. Wenn andererseits die Entleerung, die Ortsveränderung und die Abscheidung von den anderen Stoffen im Innern des Körpers stattfindet, so muß das nach dem Gesagten den Stellen doppelten Schmerz bereiten, von denen etwas sich absonderte und wohin es übermäßig floß.“

Aus: Die Natur des Menschen (Hippokratische Schrift; 4. Jahrhundert v. Chr.). In: Hippokrates: Schriften. Übersetzt und herausgegeben von Hans Diller. Hamburg 1962 (Rowohlts Klassiker der Literatur und Wissenschaft; Griechische Literatur, Band 4), Seite 169 ff. – Die zitierte Schrift wird Polybos, dem Schwiegersohn des Hippokrates von Kos (circa 460 – circa 375 v. Chr.) zugeschrieben. Hier wird erstmals die antike „Säftelehre“ (Humoralpathologie) vorgestellt. Sie antizipierte jene für die abendländische Medizingeschichte bis weit in die Neuzeit hinein überaus wichtige Lehre von den vier Kardinalsäften und ihren Qualitäten, die von Galenos von Pergamon systematisch im 2. Jahrhundert n. Chr. entfaltet wurde. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verdrängte die aufstrebende naturwissenschaftliche Medizin diese traditionelle Lehre endgültig. Im Bereich der Naturheilkunde allerdings lebt sie bis heute in modifizierter Form weiter.

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