ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2005Psychische Krankheiten: Dramatischer Anstieg

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Psychische Krankheiten: Dramatischer Anstieg

Bühring, Petra

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Die Fehlzeiten wegen Depressionen und Angsterkrankungen sind bundesweit gegen den Trend stark angestiegen. Foto: laif
Die Fehlzeiten wegen Depressionen und Angsterkrankungen sind bundesweit gegen den Trend stark angestiegen. Foto: laif
DAK-Gesundheitsreport: NRW liegt über Bundesdurchschnitt.
Die Anzahl der Krankheitsfälle wegen psychischer Erkrankungen ist bei den Mitgliedern der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu 1997 um 68 Prozent gestiegen. Das geht aus dem DAK-Gesundheitsreport 2005 NRW vor. Das Land liegt damit über dem Bundesdurchschnitt: Auf 100 DAK- Mitglieder in NRW kommen 123 Fehltage wegen psychischer Erkrankungen, bundesweit sind es 113. Spitzenreiter ist mit 180 Fehltagen Berlin. Entgegen dem sinkenden Trend an Arbeitsunfähigkeitstagen stiegen die Fehlzeiten wegen Depressionen (42 Prozent) und Angsterkrankungen (27 Prozent) bundesweit stark an. Psychische Erkrankungen liegen inzwischen mit einem Anteil von elf Prozent an vierter Stelle der Gründe für Krankschreibungen, nach Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes (23 Prozent), Krankheiten des Atmungssystems (14 Prozent), Verletzungen und Vergiftungen (13 Prozent).
Geordnet nach Branchen weist in NRW die öffentliche Verwaltung den höchsten Krankenstand aufgrund psychischer Erkankungen auf, gefolgt vom Gesundheitswesen sowie Organisationen und Verbänden. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Eine Expertenbefragung zu den Gründen für den Anstieg an psychischen Erkrankungen ergab: Nicht nur das Erkrankungsrisiko hat zugenommen, sondern auch die Entdeckungsrate und die Akzeptanz der Diagnose, insbesondere bei Frauen. Verantwortlich dafür sind verbesserte diagnostische Kompetenzen der Hausärzte, aber auch eine geringere Hemmschwelle der Patienten, Symptome anzusprechen. Ursächlich für das gestiegene Krankheitsrisiko ist unter anderem die Angst vor Entlassungen, häufiger Jobwechsel und die gestiegene Arbeitsbelastung. Durch den höheren Druck könnten psychische Erkrankungen nicht mehr kompensiert werden, erklärt Berger. Ihre Folgerung: „Arbeitsbedingte Ursachen psychischer Erkrankungen müssen verstärkt erforscht werden.“ PB
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