ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2005Was ist eine Borderline-Störung? Antworten auf die wichtigsten Fragen

BÜCHER

Was ist eine Borderline-Störung? Antworten auf die wichtigsten Fragen

Dtsch Arztebl 2005; 102(23): A-1663

Möhlenkamp, Gerd

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LNSLNS Borderline-Störung
Informativ und einfühlsam
Gerd Möhlenkamp: Was ist eine Borderline-Störung? Antworten auf die wichtigsten Fragen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2004, 64 Seiten, kartoniert, 9,90 €
Nicht selten geraten Ärzte und Therapeuten in Verlegenheit, werden sie gebeten, die Diagnose Borderline-Stö-rung zu erläutern. Denn selbst dem korrekten klinischen Sprachgebrauch gelingt es kaum, negativ wertende, vielleicht sogar verletzende Beurteilungen zu vermeiden. Mittlerweile hat es sich auch bei den Betroffenen herumgesprochen, dass die Diagnose Borderline häufig dann Anwendung findet, wenn es gilt, einen als schwierig und andere belastend erlebten Menschen zu bezeichnen. Wie man die Dinge beim Namen nennen und sie zugleich informativ wie einfühlsam präsentieren kann, zeigt das handliche Büchlein in vorbildlicher Weise.
Es handelt sich in erster Linie um eine Schrift für Betroffene, mit dem erklärten Ziel, dass der „sich selbst versteht und zum Experten in eigener Sache wird“. In kurzen Kapiteln mit wegweisenden Überschriften werden die charakteristischen Merkmale einer Borderline-Störung in klarer, allgemeinverständlicher Sprache dargestellt, wobei es dem Autor gelingt, sowohl die psychoanalytische Sichtweise als auch den kognitiv-behavioralen Ansatz so einzuarbeiten, dass sie eher als einander ergänzende Theorien denn als konkurrierende Therapiesysteme erscheinen.
Auch die Feinheiten der psychoanalytischen Konzeption kommen zur Sprache, beispielsweise der Spaltungsmechanismus. Möhlenkamp beschreibt die Schwierigkeiten, positive und negative Vorstellungen von sich und anderen zu integrieren, verweist auf die Tendenz, Menschen, ja die Welt generell, in ein schwarz-weißes Raster hineinzuzwängen, was einerseits der Borderline-Persönlichkeit Klarheit und Halt verschafft, ihr andererseits Kompromisshaltungen verunmöglicht und Konflikte mit anderen programmiert. Auch die Chancen und Grenzen einer Psychotherapie werden erörtert, die Suche nach dem geeigneten Therapeuten wird angesprochen und auf Möglichkeiten der Selbsthilfe (auch per Internet: www.borderline-community.de) verwiesen.
Es ist ein Buch, das man Betroffenen ohne Vorbehal-te empfehlen kann, dem man aber auch viele Ärzte und Therapeuten als Leser wünscht. Christian Maier
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