ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2005Hepatische Enzephalopathie: Den Eiweißabbau mit Aminosäuren stoppen

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Hepatische Enzephalopathie: Den Eiweißabbau mit Aminosäuren stoppen

Dtsch Arztebl 2005; 102(25): A-1831

EB

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LNSLNS Die minimale hepatische Enzephalopathie (HE) ist Ausdruck einer sich verschlechternden Stoffwechselsituation. Sie beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität und die Verkehrssicherheit, sondern auch die allgemeine Prognose von Zirrhosepatienten. Es sollte deshalb stets eine frühzeitige Diagnose erfolgen und auch eine frühzeitige Therapie mit diätetischen Maßnahmen und medikamentösen Optionen, wie beispielweise der
Gabe von verzweigtkettigen Aminosäuren (Falkamin®).
Rund ein Drittel der Patienten mit Leberzirrhose weisen eine hepatische Enzephalopathie (HE) auf. Problematisch sei, so Dr. Horst Koch (Mölln), dass das Frühstadium bei den meisten Patienten klinisch schwer fassbar ist, da es unspezifisch in Erscheinung tritt: Die Patienten leiden unter Leistungsabbau, Konzentrationsstörungen, gestörtem Schlaf, und sie kommen mit den alltäglichen Aufgaben nicht mehr so gut zurecht.
Psychometrische Tests bei allen Zirrhosepatienten
„Man braucht keine Apparate und kein Labor, um die hepatische Enzephalopathie zu erkennen. Man muss nur aufmerksam den Patienten beobachten“, betonte der Wissenschaftler. Koch plädierte für psychometrische Tests bei allen Patienten mit Leberzirrhose, denn die HE hat für die Betroffenen erhebliche Konsequenzen. Das gilt auch für die minimale Verlaufsform, wie Dr. Klaus H. W. Böker (Hannover) ausführte.
Generell müssen die Patienten ausreichend mit Kalorien und optimal mit Proteinen versorgt werden, da sie einen erhöhten Grundumsatz haben. Eine Eiweißrestriktion ist nicht ratsam, da so der Eiweißabbau aus Muskeln noch provoziert wird. Wichtig ist ein hoher Ballaststoffanteil der Kost, generell ist eine vegetarische Ernährung günstig. Empfohlen wird auch eine Behandlung mit Lactulose, das die Aufnahme von Ammoniak aus dem Darm erschwert, sowie die Supplementierung von Zink, das als Kofaktor bei Enzymen der Harnstoffsynthese fungiert. Durch Ornithin-Asparat kann außerdem eine Verbesserung des hepatischen Eiweißmetabolismus erwirkt werden.
Unabhängig davon ist die Gabe verzweigtkettiger Aminosäuren therapeutisch bedeutsam, an deren klinischer Wirksamkeit nach Meinung von Böker nicht zu zweifeln ist. Durch Präparate, wie zum Beispiel Falkamin, könne eine deutliche Verbesserung des Gleichgewichts der Aminosäuren erwirkt werden.
Dieses ist bei Zirrhosepatienten gestört, mit einem Überwiegen der aromatischen und einem Mangel an verzweigtkettigen Aminosäuren. Die Folge: Der Körper baut körpereigenes Eiweiß ab, um seinen Bedarf an verzweigtkettigen Aminosäuren zu decken. Es kommt zu einer massiven Eiweiß-Katabolie. „Beim Abbau der körpereigenen Eiweiße entstehen aber nicht nur verzweigtkettige, sondern wiederum auch aromatische Eiweiße, deren Konzentration dadurch weiter steigt, sodass sich die Situation wie in einem Teufelskreis hochschaukelt“, sagte Böker. EB

Symposium „Hirnfunktion und Ernährung“ in Hannover, Veranstalter: Akademie für Ernährungsmedizin Hannover, unterstützt von der Falk Foundation e.V.
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