ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2005Medienforschung: Identifikation mit Hexen und Zauberern

VARIA: Bildung und Erziehung

Medienforschung: Identifikation mit Hexen und Zauberern

Dtsch Arztebl 2005; 102(25): A-1834 / B-1550

Hilsmann, Anna

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Studie zu den Lieblingsfiguren der Kinder

Welche Charaktere des Medienalltags die Favoriten der Kinder sind, wollte das Institut für angewandte Kindermedienforschung (IfaK) der Stuttgarter Hochschule der Medien wissen und führte eine Trendstudie in Stuttgart und Umgebung durch. In Kurzinterviews wurden insgesamt 1 246 Kinder (650 Mädchen, 596 Jungen) zwischen drei und 13 Jahren zu ihren Lieblingsfiguren befragt.
Standardisierte Fragen wie „Wenn du zaubern, dich verwandeln könntest, in wen, in welche Figur würdest du dich am liebsten verwandeln?“ oder „Wenn du jemanden aussuchen könntest, wen hättest du gern als Freund oder Freundin, mit wem wärst du am liebsten befreundet?“ sollten Identifikationsfiguren und die parasozialen Beziehungen zu den Charakteren ermitteln. Des Weiteren wurden mit der Frage „Woher kennst du diese Figur?“ nach den Hauptträgermedien geforscht.
Von den 1 246 befragten Kindern wurden 660 verschiedene Charaktere genannt. Etwa drei Viertel der Figuren wurden dabei jeweils nur einmal oder von höchstens zwei Kindern erwähnt. Auf den vorderen Plätzen des Favoriten-Rankings landeten Harry Potter, Bibi Blocksberg und Co. Aber auch Klassiker wie Mickymaus, Donald Duck und Pippi Langstrumpf waren unter den ersten zehn vertreten.
Die Studie berücksichtigte auch, dass Medienvorlieben vom Geschlecht abhängig sind; Jungen identifizieren sich fast nie mit weiblichen Figuren, Mädchen machen auch männliche Helden zu ihren Vorbildern. Jungen orientieren sich bei der Wahl ihrer Lieblingsfiguren eher an tradierten Geschlechtsrollenvorgaben. Starke Kämpfer, Zauberer, Tiere, aber auch reale Mediencharaktere schei-nen sehr beliebt zu sein. Mädchen hingegen wenden sich meist von den klassischen Mädchenbuchcharakteren vom Typ Hanni & Nanni ab. Sie identifizieren sich in erster Linie mit Hexen, Zauberern, Popstars und den Darstellerinnen deutscher TV-Soaps. Bei jüngeren Mädchen stehen auch Prinzessinnen ganz hoch im Kurs.
Die meisten ihrer Lieblingsfiguren kennen Kinder aus dem Fernsehen (30 Prozent) und aus Büchern (zehn Prozent). Weniger relevante Medien sind Hörspiele (sieben Prozent), Computerspiele und Spielzeugfiguren (unter zwei Prozent).
Die Kindermedienangebote sind vielfältiger geworden. Die Medienpräferenzen der Kinder können sich deshalb individuell stärker ausdifferenzieren. Harry Potter, Bibi Blocksberg & Co. müssen mit Konkurrenz rechnen.
Weitere Informationen im Internet unter: www.ifak-kindermedien.de. Anna Hilsmann
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