ArchivDeutsches Ärzteblatt4/1997Transplantationsgesetz: Rechtsklarheit

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Transplantationsgesetz: Rechtsklarheit

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Eine gesetzliche Regelung für Organentnahmen ist überfällig. Darin sind sich Politiker aller Bundestagsfraktionen einig. Doch wie dieses Gesetz aussehen soll, darüber herrscht noch Uneinigkeit. Die sogenannte erweiterte Zustimmungslösung sieht vor, daß Angehörige über eine Entnahme entscheiden können, wenn der Betroffene zu Lebzeiten sich nicht erklärt hat. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. Karsten Vilmar, plädiert ebenfalls für diese Lösung. "Wir müssen endlich Rechtsklarheit haben", sagte er gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Der von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Horst Seehofer und zahlreichen weiteren Abgeordneten von Koalition und SPD eingebrachte Entwurf sei die Festschreibung der bereits "seit vielen Jahren gehandhabten" Praxis.
Vilmar begrüßte außerdem, daß in diesem Gesetzentwurf der Hirntod eines Menschen als Todeskriterium gewertet wird. Beim Hirntod bestehe im Gegensatz zum Herztod absolute Sicherheit, daß der Mensch wirklich tot sei. "Man kann im Tierexperiment ein völlig isoliertes Herz schlagen lassen. Es wird niemand behaupten, daß dann dieses Tier noch lebt." Ein Hirntoter könne auch durch Reanimationsmaßnahmen nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden.
Vilmar wendet sich folgerichtig gegen zwei fraktionsübergreifende Gesetzentwürfe, in denen der Hirntod als Sterbeprozeß bezeichnet wird und nach denen eine Organentnahme nur dann möglich sein soll, wenn der Spender selbst zugestimmt habe (sogenannte enge Zustimmungslösung). Damit würde die Organentnahme zur "Tötung auf Verlangen". Außerdem würde diese Regelung nach Ansicht des Bundes­ärzte­kammerpräsidenten einen erheblichen Rückschlag für die Spendenbereitschaft bedeuten, da nur wenige Menschen bereit seien, "sich zu Lebzeiten mit dem Problem der Organentnahme und damit mit dem eigenen Tod zu befassen".
Kategorisch lehnte Vilmar den Vorschlag des CDU-Abgeordneten Eckart von Klaeden ab, jeden Bürger bei der Aushändigung von Ausweispapieren auf eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu verpflichten. Eine solche Regelung setze eine breite Information und Aufklärung jedes einzelnen voraus, die von den Behörden nicht geleistet werden könnten. Gisela Klinkhammer
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