BÜCHER

Akupunktur in der Schmerztherapie

Dtsch Arztebl 2005; 102(28-29): A-2017

Bäcker, Marcus; Hammes, Michael G.

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Akupunktur
Schmerztherapie
Marcus Bäcker, Michael G. Hammes (Hrsg. ): Akupunktur in der Schmerztherapie. Ein integrativer Ansatz. Urban & Fischer Verlag, München, Jena, 2005, VIII, 552 Seiten, 64 €
Shangjuxu, Xiajuxu – dies sind keine chinesischen Zauberformeln zur Beschwörung von Schmerzen, sondern die Bezeichnungen der Akupunkturpunkte „Obere riesige Leere“ und „Untere riesige Leere“. Die große Leere, die nicht nur in Deutschland zum Thema „Traditionelle Chinesische Medizin“ (TCM) herrscht, nahmen die Herausgeber zum Anlass, das Fachbuch „Akupunktur in der Schmerztherapie – ein integrativer Ansatz“ zu veröffentlichen. Integrativ bedeutet vor allem den Spagat, zwischen westlicher und chinesischer Medizin zu vermitteln und gleichzeitig Schulmedizinern die „chinesische“ Interpretation westlich definierter Erkrankungsbilder nahe zu bringen. Dabei erfährt der Leser, dass Akupunktur nicht ein isoliertes Therapieverfahren darstellt, sondern im Verbund mit der Chinesischen Arzneimittellehre, Bewegungslehre und Diätetik eine Wissenschaft bildet, die sowohl somatische als auch psychische Aspekte von Krankheiten in einem ganzheitlichen System organisiert. So kann sich hinter einer Lumboischialgie unter anderem eine Qi-Stagnation oder eine Invasion von pathogenen Faktoren wie Wind (feng) oder Kälte (han) verbergen. Spannungskopfschmerzen weisen auf „Fülle“- oder „Leere“-Muster hin. Unverständliche Begriffe? Kein Problem. Denn die Grundlagen der TCM werden dem Leser im Grundlagenkapitel anschaulich erklärt. Praxisnah ist die Erklärung einzelner Krankheitsbilder sowohl nach westlicher als auch nach TCM-Sichtweise. Die darin enthaltenen Beschreibungen von Akupunkturpunktkombinationen und Rezepturen sind umfassend, bergen allerdings die Gefahr einer „Kochbuchanwendung“ in der Hand des nicht ausgebildeten Akupunkteurs. Dies ist allerdings das Risiko eines jeden TCM-Lehrbuches. Neuere Entwicklungen, wie die nachträgliche Negierung des Fibromyalgiekonzeptes durch deren damalige Erstbeschreiber, konnten die Autoren bei Auflage des Buches leider nicht mit aufnehmen, aber das Vorgehensschema nach TCM-Kriterien ist bei muskuloskelettalen Schmerzen gut anwendbar. Die Verständnis- und Akzeptanzproblematik der TCM wird besonders deutlich im Versuch, Kriterien der Evidenzbasierten Medizin gemäß der aktuellen Studienlage anzuwenden. Dennoch bietet dieses Fachbuch jedem „westlichen“ Arzt eine Möglichkeit, sich diesem komplementären Bereich zu öffnen.
Stefan Wirz
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