ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2005Das jüdische Krankenhaus in Köln. Die Geschichte des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache 1869–1945

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Das jüdische Krankenhaus in Köln. Die Geschichte des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache 1869–1945

Dtsch Arztebl 2005; 102(28-29): A-2020

Becker-Jakli, Barbara

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Krankenpflege
Zuflucht und Vertreibung
Barbara Becker-Jakli: Das jüdische Krankenhaus in Köln. Die Geschichte des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache 1869–1945. Emons Verlag, Köln, 2004,530 Seiten, 260 Abbildungen, gebunden, 28,50 €
Private Stifter haben beim Aufbau der jüdischen Alten- und Krankenpflege in Köln eine herausragende Rolle gespielt. Das war bereits in den Anfängen im 12./13. Jahrhundert so, als aus Köln erstmals von einem kleinen jüdischen Hospital berichtet wird. Das große jüdische Krankenhaus, das um die Wende des vorigen Jahrhunderts unter Mühen entstand, konnte nur dank großzügiger Zuwendungen vor allem des Kölner Bankiers Eltzbacher und von Sir Ernest Cassel, der aus Köln stammte und bei Eltzbacher gelernt hatte, gebaut werden. Es entstand ein vielfältiger Komplex für die Kranken-, Alten- und Siechenversorgung im damals modernen Pavillon-Stil mit 200 Betten. Um 1930 verfügte die Krankenabteilung über 180 Betten. Das entsprach rund zehn Prozent aller Betten in jüdischen Krankenhäusern in Deutschland. Größer als das Kölner waren die jüdischen Krankenhäuser in Breslau, Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main.
Das Kölner jüdische Krankenhaus teilte nach 1933 das Geschick aller jüdischen Einrichtungen: Es blutete aus und wurde schließlich zwangsweise geräumt. Das ausgebombte städtische Bürgerhospital nutzte die Räume, bis sie 1944/45 auch zu Schutt wurden. Nach dem Krieg konstituierte sich im ehemaligen Israelitischen Asyl die jüdische Gemeinde, eine Synagoge entstand, das Asyl mit Krankenhaus sollte aufgebaut werden. Darum bemühte sich der Gynäkologe Herbert Lewin. Er war der einzige Arzt des früheren Asyls, der die Deportation nach Lodz überlebt hatte. Doch die Pläne zerschlugen sich, stattdessen baute das belgische Militär dort sein Krankenhaus. Heute steht auf dem Gelände eine jüdische Wohlfahrtseinrichtung, ein Teil wurde an einen Investor verkauft, der darauf Eigentumswohnungen errichtete. Ein Krankenhaus gibt es nicht mehr.
Die Geschichte des Israelitischen Asyls lässt auch einen Blick auf die Entwicklung der Krankenpflege und des Krankenhausbaus zu, folgte doch die jüdische Gemeinde der jeweiligen Zeit. Vor allem aber zeigt sie, wie sich die Ausgrenzung der Juden – trotz manchmal einflussreicher gesellschaftlicher Stellungen – in der christlich geprägten Gesellschaft abspielte und wie die jüdischen Gemeinden ihr Eigenleben entfalteten.
Umfangreich ist das düstere Kapitel über das Schicksal der Kölner jüdischen Ärzte, wie überhaupt der jüdischen Bürger im Dritten Reich. Der erste Deportationszug mit etwa tausend Personen verließ Köln am 21./22. Oktober 1941 – nach Lodz. Bis 1944 folgten weitere mit Tausenden von Menschen. Auch in Köln wurden jüdische Ärzte aus dem Beruf und aus dem Land getrieben, so wie in ganz Deutschland. Denn das heitere Köln war gegenüber seinen jüdischen Mitbürgern keineswegs so liberal, wie es sich gerne darstellt. Norbert Jachertz
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