ArchivDeutsches Ärzteblatt28-29/2005Medizingeschichte(n): Humoralpathologie

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Medizingeschichte(n): Humoralpathologie

Dtsch Arztebl 2005; 102(28-29): A-2025 / B-1710 / C-1614

Schott, H.

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LNSLNS Temperamente
Zitat: „Wir lassen uns hier nicht auf die feinen Distinktionen ein, die
nur den Arzt interessieren, sondern unterscheiden nur die Hauptklas-
sen, die eine verschiedene Lebensweise bedingen. Hier fällt das, was der Arzt physische Konstitution nennt, mit dem Temperament zusammen, und da bleiben ewig die Menschen in vier Hauptklassen geteilt, die man schon zu den Zeiten der Römer und Griechen unterschied, in die Sanguinischen, Cholerischen, Melancholischen und Phlegmatischen. Man kann dies wirklich als die Radikalverschiedenheiten des Menschengeschlechts ansehen, und sie sind als solche auch immer betrachtet worden.
Der Unterschied lag nur darin, daß Philosophen und Ärzte den Grund der Verschiedenheit einmal mehr in den Säften, das anderemal mehr in den Kräften, einmal im Leibe, das anderemal in der Seele gesucht haben, nicht bedenkend, daß im Organismus Geistiges und Leibliches, Kraft und Materie so innig verbunden sind, daß eines das andere bestimmt, und daß allerdings eine gewisse Beschaffenheit der Organisation dem Menschen ebenso eine bestimmte Anlage zu gewissen Krankheiten, wie die oder jene Stimmung und Richtung seiner Triebe und Geistesanlagen geben kann, und wenn sie angeboren ist, ihm wirklich für sein ganzes Leben gibt.“
Christoph Wilhelm Hufeland: Makrobiotik oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern (1897; Haupttitel „Makrobiotik“ erst ab 3. Auflage 1805). Reprint nach der 8. Auflage 1860. Herausgegeben von F. Lejeune. Stuttgart 1958, Seite 283 f. – Hufeland verfasste dieses bis heute populäre Buch während der Zeit, als er Medizinprofessor an der Universität Jena war und zugleich als Hofarzt in Weimar wirkte, wo er mit den dortigen Geistesgrößen, unter anderem auch mit Goethe, im Gedankenaustausch stand. Das Zitat belegt die Langlebigkeit der galenischen Temperamentenlehre, die sich aus der antiken Humoralpathologie ableitet (Blut: Sanguiniker; gelbe Galle: Choleriker; schwarze Galle: Melancholiker; Schleim: Phlegmatiker).

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