VARIA: Post scriptum

Wer an der Ahr war

Dtsch Arztebl 2005; 102(28-29): [72]

Pfleger, Helmut

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Nun, ganz so wie bei Heinrich Böll war es nicht, als er im Herbst 1944 in der Unterführung des Bahnhofs Remagen, nur noch aufs Überleben in einer zunehmend irrsinnigeren Welt bedacht, völlig überraschend auf seine Frau Annemarie traf und die Wiedersehensfreude sich in einer stürmischen Umarmung entlud, bevor beide, nun vereinigt, nach Bad Neuenahr weiterfuhren. Und doch war in der kleinen Schar von Ärzten, die am 8. April dieses Jahres an dieser Stelle zufällig zusammenkamen, auch Vorfreude, gepaart mit etwas banger Erwartung, auf das Ärzteturnier in Bad Neuenahr zu spüren.
Ganz gelöst, ja geradezu übermütig hingegen zwei Tage später – wiederum im Bummelzug von Bad Neuenahr nach Remagen, wenn auch in anderer Runde – der Abschied. Dazwischen ausnahmsweise einmal keine Nierenkoliken, Herzphobien und EBM 2000plus, sondern gefesselte Läufer, hängende Türme, eingestellte Damen und Bauernopfer – kurzum der ganz normale Wahnsinn des „Königlichen Spiels“ als Schnellschachwettbewerb.
In der Gegend gibt es einen volkstümlichen Spruch:
„Wer an der Ahr war, und weiß, dass er da war, der nicht an der Ahr war!“ Damit wollen die Einheimischen auf die Güte und Süffigkeit ihres Ahrweins mit entsprechender Einengung des Sensoriums hinweisen. Den Spruch indes kann der wie immer stocknüchterne und nur der Objektivität verpflichtete Chronist nicht bestätigen. Viel eher kam ihm der notorische fränkische Biertrinker Jean Paul in den Sinn. Keine Angst – keine Abschweifung hier zu dessen berühmtestem Satz „Mein Gott, welch ein Bier!“, als er in Bamberg dessen Freuden genoss. Mir rutscht Gott sei Dank nicht so leicht die Schreibhand aus wie dem stellvertretenden Chefredakteur des „Deutschen Ärzteblattes“, Josef Maus, die Zunge, wenn er ins Schwärmen über seinen 1. FC Köln gerät. Nein, von einer anderen Weisheit Jean Pauls will ich künden: „Außer der Philosophie weiß ich kein so gutes Treibmittel des Gehirns wie Schach und Kaffee.“ Sollte in dieser Sentenz gar eine Prise Ironie versteckt sein? Sei’s drum, jetzt Schach pur.
Dr. med. Reinhard Baar – ganz nebenbei auch ein (Ober-) Franke –, der sich halb nolens, halb volens den ganzen Damenflügel auffressen ließ, trieb hier sein Gehirn als Schwarzer durch den hübschen (Opfer-) Entscheidungszug 1. . . . Se2! mit der Idee 2. Txe2 Tg1+ 3. Kh2 Dg2 matt an, weshalb Dr. med. Halim Aydin aufgab, zumal auch 2. f4!? ihn letztlich nicht rettet. Doch in der Diagrammstellung gab es eine noch durchschlagendere Lösung für Schwarz. Welche?

Lösung:
Nach dem Turmopfer 1. . . . Th2+! und der erzwungenen Annahme 2. Kxh2 setzt 2. . . . Dg2 unmittelbar matt.
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