ArchivDeutsches Ärzteblatt30/2005Leicht erhöhtes Krebsrisiko durch geringe Strahlenexposition

MEDIZIN: Referiert

Leicht erhöhtes Krebsrisiko durch geringe Strahlenexposition

Dtsch Arztebl 2005; 102(30): A-2107 / B-1778 / C-1682

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LNSLNS Durch eine geringe kumulative Strahlenexposition erhöht sich das Risiko, an einem Krebsleiden zu sterben, um zehn Prozent. Dies berichtet ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Elisabeth Cardis von der International Agency for Research on Cancer, Lyon, Frankreich, im British Medical Journal.
Die mögliche Gefahr einer geringen Strahlendosis wurde bisher meist anhand der erfolgten Exposition überlebender Atombombenopfer in Hiroshima und Nagasaki extrapoliert. Um das Risiko direkt zu bestimmen, initiierten die Autoren eine umfangreiche Studie mit mehr als 400 000 Arbeitern aus 15 Staaten. Die Studienteilnehmer hatten mindestens ein Jahr lang größtenteils in Atomkraftwerken gearbeitet und wurden durchschnittlich 13 Jahre nachbeobachtet. Dies entsprach 5,2 Millionen Personenjahren.
Nach den heutigen Empfehlungen sollen Arbeiter in der Nuklearindustrie einer kumulativen Strahlenbelastung von höchstens 100 mSv innerhalb von fünf Jahren ausgesetzt werden. Weniger als fünf Prozent der Studienteilnehmer erreichten diesen Wert. Für eine Strahlenexposition von 100 mSv bestimmten die Autoren ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöhtes Sterberisiko für Krebs (außer Leukämie) von 9,7 Prozent (Konfidenzintervall [KI]: 1,4 bis 19,7 Prozent). Wenn hierbei neben Leukämie auch Tumoren der Lunge und Pleura nicht berücksichtigt wurden, ergab dies ein Mortalitätsrisiko von 5,9 Prozent (KI: –2,9 bis 17,0 Prozent). Als korrespondierenden Wert für Leukämie (ohne CLL) errechnete man 19 Prozent (KI: 0 bis 84,7 Prozent) . Das ermittelte Krebsrisiko war somit höher als jenes, das durch Extrapolation der Strahlenbelastung nach den Atombombenabwürfen erwartet wurde.
Ausgehend von diesen Zahlen vermuten Cardis und Mitarbeiter, dass für ein bis zwei Prozent der auf Krebserkrankungen zurückgeführten Todesfälle in der untersuchten Kohorte die Strahlenbelastung am Arbeitsplatz verantwortlich war. Cardis betont, dass der Großteil der Strahlendosis in den Anfangsjahren der Nuklearindustrie emittiert wurde, wohingegen heute strengere Sicherheitsbestimmungen gelten. Obwohl die in dieser Studie kalkulierten Risiken höher seien als diejenigen, auf denen die Strahlenschutzbestimmungen basieren, lägen sie in der gleichen Größenordnung, erklären die Forscher. me

Cardis E, Vrijheid M, Blettner M et al.: Risk of cancer after low doses of ionising radiation – retrospektive cohort study in 15 contries. BMJ online veröffentlicht 29. 6. 2005; doi:10.1136/bmj.38499.599861

Elisabeth Cardis, International Agency for Research on Cancer, Lyon, Frankreich, E-Mail: cardis@iarc.fr

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