ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2005Todesfälle: Große Verluste

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Todesfälle: Große Verluste

PP 4, Ausgabe August 2005, Seite 341

Bühring, Petra

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LNSLNS Detlev Kommer und Klaus Grawe unerwartet gestorben.
Detlef Kommer. Foto: DÄ
Detlef Kommer. Foto: DÄ
Der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer Dipl.-Psych. Detlev Kommer ist am 24. Juli 2005 nach kurzer schwerer Erkrankung im Alter von 58 Jahren verstorben. Kommer, der auch Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg war, hat die Gründung und den Aufbau der Bundes­psycho­therapeuten­kammer mit unermüdlichem Einsatz und Weitblick vorangetrieben und in vielen Bereichen die Grundlage für die weitere Entwicklung und Ausgestaltung der Heilberufe des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und ihre Verankerung als freie akademische Heilberufe gelegt. In den vielen Jahren und Funktionen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit in Berufs- und Fachverbänden ging es ihm nicht ausschließlich um die Anerkennung des Psychologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten als eigenständiger Heilberuf, sondern vor allem um die Nutzbarmachung psychotherapeutischen Wissens und Könnens für die Gesund­heits­förder­ung und die gesundheitliche Versorgung aller Patienten.
Maßstab war ihm dabei die wissenschaftliche Fundierung psychologischer und psychotherapeutischer Interventionen bei allem Respekt vor der historisch gewachsenen Unterschiedlichkeit der psychotherapeutischen Verfahren. Sein besonderes Anliegen war die Verfügbarkeit wirksamer psychotherapeutischer Hilfe für alle Patienten, unabhängig von ihrer Grunderkrankung und von ihrem wirtschaftlichen und sozialen Status. Detlev Kommer hinterlässt eine Frau und drei Kinder.
Klaus Grawe. Foto: Berufsverband Deutscher Psychologen e.V.
Klaus Grawe. Foto: Berufsverband Deutscher Psychologen e.V.
Prof. Dr. phil. Klaus Grawe, seit 1979 Ordinarius für Klinische Psychologie und Psychotherapie am Institut für Psychologie der Universität Bern, starb am 10. Juli im Alter von 62 Jahren plötzlich und unerwartet. Grawe, Autor zahlreicher Bücher und Studien zu Fragen und Wirkungsweise der Psychotherapie, setzte sich maßgeblich für eine integrierte schulenunabhängige Psychotherapie ein. Der Leiter der Psychotherapeutischen Praxisstelle der Universität Bern, die der praktischen Ausbildung von Psychotherapeuten als auch der Durchführung von Therapieforschungsprojekten dient, führte seit 1980 acht vom Schweizerischen Nationalfonds für Wissenschaftliche Forschung geförderte klinische Therapiestudien zur Wirkungsweise von Psychotherapie durch. Grawe war als einer der Gutachter des „Forschungsgutachtens zu Fragen eines Psychotherapeutengesetzes“ 1990/91 im Auftrag der Deutschen Bundesregierung an den Vorbereitungen zum Psychotherapeutengesetz beteiligt. Nach eigenen Angaben gelang es ihm damals nicht, einen Abkehr von den Psychotherapierichtungen durchzusetzen (siehe „Ich bin kein Anhänger von Wahrheiten“, eines der letzten Interviews mit Grawe in „report Psychologie, 7/8, 2005). 1999 übernahm er auch die wissenschaftliche Leitung des Instituts für Psychologische Therapie in Zürich zur „Förderung und Verbreitung einer therapieschulenunabhängigen, in der empirischen Psychologie fundierten Psychotherapie“. Klaus Grawe hinterlässt eine Frau und fünf Kinder.
Der Berufspolitiker Kommer und der Wissenschaftler Grawe haben den Psychotherapeuten große Dienste erwiesen. PB
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