ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2005Bürgerversicherung versus Gesundheitsprämie: Was Wähler wünschen

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Bürgerversicherung versus Gesundheitsprämie: Was Wähler wünschen

Dtsch Arztebl 2005; 102(33): A-2197 / B-1857 / C-1757

Rieser, Sabine

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LNSLNS Dass Deutschland kein dynamisches Land ist, kann mit Blick auf den Wahlkampf keiner behaupten. Bundeskanzler Gerhard Schröder ist vormittags in Kassel und abends in Magedeburg – „Kundgebung“, heißt es nun täglich. Die Grünen sind nicht weniger rührig, aber auskunftsfreudiger. Jürgen Trittin hat sich Mitte August unter anderem ins Goldene Buch der Stadt Hattersheim eingetragen, Katrin Göring-Eckardt lud zu „Kommt lasst uns übers Wasser gehen – Religionen in Berlin“. Auch die Union rastet nicht: Ihre Wahlkampfzentrale hat sie „arena 05“ getauft.
Was die Politiker wollen, ist klar: Wählerstimmen. Was sie konkret damit anstellen wollen, bleibt teilweise nebulös. Noch schwerer zu enträtseln ist, was die Wähler wünschen.
Nur ein Beispiel: Dieser Tage hat die Bertelsmann Stiftung durch eine Befragung herausgefunden, dass angeblich zwei Drittel der Bundesbürger für die Bürgerversicherung sind, also für den Einbezug Selbstständiger, Beamter und Besserverdiener in eine Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Immerhin die Hälfte hielte es für gerecht, Einkommen aus Mieten, Zinsen oder Aktiengewinnen zur Beitragsberechnung heranzuziehen. Eine Gesundheitsprämie hat weniger Anhänger. „Bei einer realistischen Höhe von 170 Euro sehen diese Reformalternative nur etwa 30 Prozent als gerecht an. Die Zustimmung steigt allerdings mit sinkender Prämienhöhe“, fasst Bertelsmann zusammen.
Hat etwa die Bürgerversicherung mehr Anhänger, weil viele sich einreden, dann müssten in Zukunft nur die anderen mehr zahlen? Würden sich tatsächlich mehr Menschen in Deutschland für das kühle Prinzip Prämie erwärmen, wenn nur die Summe niedrig genug wäre? Und wieso halten zwei Drittel der Befragten 170 Euro monatlich für viel Geld – obwohl Arbeitnehmer derzeit in der GKV rund 270 Euro zahlen, wenn sie die Beitragsbemessungsgrenze erreicht haben?
Bei aller Zurückhaltung angesichts von Umfragen: Wer bislang fest davon überzeugt war, dass die Mehrheit der Bevölkerung sehr gern viel mehr Geld für die Gesundheit ausgäbe, wenn man sie nur ließe, kommt sicher ins Grübeln. Denn eines steht fest: Fragen beantworten und den Geldbeutel öffnen war und ist zweierlei. Sabine Rieser
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