ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2005Medizingeschichte(n): Elektrizität – Therapie der Vollblütigkeit

MEDIZIN

Medizingeschichte(n): Elektrizität – Therapie der Vollblütigkeit

Dtsch Arztebl 2005; 102(34-35): A-2313 / B-1952 / C-1850

Schott, H.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Zitat: „Nach unserem stahlianischen [1] Lehrgebäude ist die Vollblütigkeit die Mutter derer mehresten Kranckheiten. Wenn man dieselbe vermindern will, so muß man das überflüssige Blut durch den Schweiß oder Aderlassen [2] herausjagen. Jenes ist den mehresten beschwerlich und dieses fürchterlich. Beydes aber kan man durch die Electrification überhoben seyn. Durch diese wird eine grosse Menge schweflichter und saltziger Theilchen aus unserm Cörper herausgetrieben. Weil nun das Blut meistens aus Schwefeltheilchen, welche mit einem alcalischen Saltze vermischt sind, besteht, so muß auch die Menge des Bluts nothwendig durch die Electrifiation vermindert werden. [...] Man darf nicht befürchten, daß dieser Orgasmus des Bluts unserm Cörper Schaden zufügen könne, weil kein Schweiß darauf erfolget. Denn bey der Electrification werden die Dämpfe [3] allzu geschwind aus unserm Cörper getrieben, und sind nicht mit so vielen wässerichten Theilen vermischt, welche sich auf der Haut anlegen und den Schweiß verursachen könten.“

Christian Gottlieb Kratzenstein: Abhandlung von dem Nutzen der Electricität in der Arzneywissenschaft. In einem Schreiben an D.G.F.F. 2. vermehrte Auflage. Halle 1745, Seite 11. – Kratzenstein (1723–1795) promovierte in Halle. Er war dort unter anderem Schüler von Johann Gottlob Krüger (1715–1759), der als einer der ersten Ärzte die therapeutische Anwendung der Elektrizität, die in dieser Zeit erstmals künstlich erzeugt werden konnte, zu Heilzwecken vorschlug. Kratzenstein war später Professor der Physik in Sankt Petersburg und ab 1753 Professor für Experimentalphysik und schließlich für Medizin der Universität in Kopenhagen. – [1] Georg Ernst Stahl (1659–1734) war ein Vertreter des „Animismus“ (Seele als regulierendes Prinzip) und eine Leitfigur der Halleschen Fakultät. [2] Als klassische Ausleitungsverfahren im Sinne der Humoralpathologie (Säftelehre). [3] „Dämpfe“ (lateinisch: vapores; französisch: vapeurs) spielen im pathophysiologischen Denken der frühneuzeitlichen Medizin eine wichtige Rolle.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema