ArchivDeutsches Ärzteblatt4/1997Frauen: Weniger Forschung, weniger Geld

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Frauen: Weniger Forschung, weniger Geld

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LNSLNS Im Jahre 1977 waren 26 Prozent der Studienanfänger der Medizin in den USA weiblichen Geschlechts, 1987 jedoch schon 37 Prozent. Fast ein Jahrzehnt später hat sich dennoch der Frauenanteil in den Spitzenstellungen an den medizinischen Fakultäten kaum verändert; bei den Lehrstuhlinhabern (full professors) beträgt er 15 Prozent, bei den "associate professors" (etwa mit unseren "Außerplanmäßigen" zu vergleichen) sind 28 Prozent Frauen. Bei einer Umfrage in demjenigen Fach, in dem die meisten Frauen tätig sind, nämlich in der Pädiatrie, zeigten sich einige Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Befragt wurden alle in den pädiatrischen akademischen Kliniken als Gehaltsempfänger tätigen Wissenschaftler aller KarriereEbenen; ausgewertet wurden die Fragebogen von 2 681 Männern und 1 293 Frauen.
Die Männer gaben längere Arbeitszeiten an: 64,4 Wochenstunden gegenüber 60,5 bei den Frauen. Die Frauen verwendeten erheblich mehr ihrer Arbeitszeit in der Patientenbetreuung und einigen Zeitanteil mehr in der Lehre als die Männer, entsprechend weniger in der Forschung. Die Folge der Verteilung der Arbeitsaufgaben auf die Zeit ist natürlich auch eine geringere "akademische Produktivität", gemessen an der Zahl der Publikationen, bei den Frauen. Eine überraschende Feststellung: Zwar gaben die Frauen an, erheblich mehr Arbeitszeit für die Geburt oder Adoption von Kindern geopfert zu haben (im Durchschnitt drei Monate); ein signifikant höherer Anteil der Männer äußerte jedoch den Eindruck, daß Familienpflichten ihre Karriere beeinträchtigt hätten. Die Frauen sahen erheblich mehr als die Männer Geschlechtsdiskrimination als Karriereschwelle; interessanterweise fanden mehr Männer als Frauen für sich religiöse Diskriminierungen zutreffend – dies allerdings auf einer niedrigen Ebene. Letztendlich jedoch verlaufen die akademischen Karrieren bei Männern und Frauen ziemlich gleichmäßig – mit einer Ausnahme: beim Einkommen. Globalzahlen lassen sich wegen erheblicher Unterschiede – auch regionaler Art – bei Männern und Frauen kaum feststellen. Als Beispiel nennen die Autoren eine Gruppe gleicher Tätigkeiten, nämlich die wissenschaftlich "hochproduktiven" Assistant Professors (sie befinden sich vornehmlich in den Subspezialitäten): Hier verdienten die Männer zur Befragungszeit 122 172 Dollar, Frauen im gleichen Rang und gleicher Tätigkeit brachten es nur auf 102 189 Dollar im Jahr. bt
Kaplan SH, Sullivan LM, Dukes KA, Phillips CF, Kelch RP, Schaller JG: Sex differences in academic advancement – results of a national study of Pediatricians. N Engl J Med 1996; 335: 1282–1289
Dr Sherrie H Kaplan, Primary Care Outcomes Research Institute, New England Medical Center, 750 Washington St., Box 345, Boston, MA 02111, USA

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