ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1996Psychiatrie: Auf eigene Substanz besinnen
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LNSLNS Dr. Sonntag schreibt unter anderem, die ambulanten psychiatrischen und psychotherapeutischen Bemühungen bewegten sich hierzulande "auf beschämend niedrigem Niveau". Diese Kritik erscheint mir nicht sachgerecht und im Tonfall unangemessen. Was er zu den Grundzügen gemeindepsychiatrischer Teamarbeit sagt, ist im Grundsatz zutreffend und auch allgemein anerkannt. Die Zeiten eventueller Berührungsängste zwischen Psychiatern und anderen sozialpsychiatrisch erforderlichen Mitarbeitern . . . sind lange vorbei.
Den Strukturwandel in der Medizin hin zur Team-Arbeit mit gegenseitigem Respekt vor der Kompetenz des anderen bekommt man als Psychiater bestimmt mit am frühesten zu spüren. Team-arbeit ist für uns also selbstverständliche Realität. Dennoch gibt es eine große Zahl von weitgehend autonomen psychiatrischen Patienten, die frei ihre eigenen Ärztinnen/Ärzte aus- beziehungsweise aufsuchen und genau wie somatisch Erkrankte nicht erst mit einem Defilee von Testpsychologie und standardisierten Fragebogen beschäftigt werden wollen. Diese Patienten suchen einen "Arzt zum Anfassen" in höchstpersönlicher Präsenz und haben auch ein Anrecht darauf.
Wie das der Supervisions-Psychiater in den Vorstellungen von Herrn Sonntag erfüllen soll, blieb bei der Lektüre seines Artikels schleierhaft . . .
Derzeit entwickelt sich aus meiner Sicht vieles zu sehr in die Breite. Man erhofft sich vom "Standardisieren" eine Sicherheit, die in einem Bereich Illusion bleiben muß, der mit einem Bein im Bereich der Naturwissenschaften, mit dem anderen aber im Bereich des Immateriellen steht. Die Besinnung auf eigene persönliche Substanz und Entwicklung ist für den Psychiater mindestens ebenso wichtig wie die Verpflichtung auf die kommunikativen und therapeutischen Standards . . .
Dr. med. Joachim Beutler, Fasanenstraße 25, 38102 Braunschweig
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