ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005zu Immobilienfonds: Viel Schrecken, Ende nicht absehbar

VARIA: Schlusspunkt

zu Immobilienfonds: Viel Schrecken, Ende nicht absehbar

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Seit gut zwei Jahren rate ich vom Kauf offener Immobilienfonds ab. Das kommt nicht immer gut an, zumindest nicht bei den Initiatoren oder Vertrieben, denn viele Leser marschieren mit dem kopierten Artikel in die Banken oder Fonds-Shops, wie etwa dem aus dem vorigen Herbst „Auf Treibsand“ (DÄ, Heft 43/2004). Der Abwertungsdruck aufgrund fallender Immobilienpreise und sinkender Mieterträge lasse einen Verkauf ratsam erscheinen, hieß es in den Beiträgen unterm Strich.
Auf wundersamen Wegen gerieten einige dieser Artikel in die Zentralen der Fondsgesellschaften. Erzürnt über die „Panikmache“, reagierten manche Manager am Telefon ziemlich unwirsch, was ich aber ganz gut verkraftet habe, denn die Argumente blieben im Prinzip unentkräftet. Schwieriger wurde es „vor Ort“ für den einen oder anderen Anleger dann doch. Mit Engelszungen versuchten die Berater, sie zum Verbleib im Fonds zu überreden, das Schlimmste sei doch längst ausgestanden, und der Autor habe vielleicht auch das Ausmaß der Sache übertrieben.
Von wegen. Beim kriselnden Deka Immobilienfonds setzt sich das Drama munter fort. Der neue Chef Reinhardt Gerries hat ein Sanierungskonzept eingeleitet, das für die nächsten vier Jahre einen möglichen Abwertungsbedarf von bis zu 1,1 Milliarden Euro einkalkuliert. Dieses Szenario jagt den Verantwortlichen der Deka Bank möglicherweise eiskalte Schauer über den Rücken, haben sie doch aus Angst vor einer weiteren sintflutartigen Rückgabe von Anteilen 1,5 Milliarden an dem auf 4,9 Milliarden Euro geschrumpften Immobilienfonds in den eigenen Bestand übernommen. Vor einem Jahr hatte sich die Bank verpflichtet, für die Liquidität des angeschlagenen Fonds geradezustehen, so ernst, eher dramatisch war schließlich die Lage und ist es noch.
Eine Abwertung der Immobilien lässt sich auch nicht vermeiden, da Immobilienfonds nur zu den – von Gutachtern errechneten – Verkehrswerten verkauft werden dürfen, die aber derzeit noch zu viel höheren Preisen in den Büchern stehen.
Das Problem der Mittelrückflüsse durch Anleger beschränkt sich nicht auf Deka. Dem genossenschaftlichen Difa-Fonds Nr. 1 flossen dieses Jahr 1,1 Milliarden Euro ab, Commerz-Grundbesitz beklagt beim Hausinvest Europa einen Rückgang von 910 Millionen, und bei der DB Real Estate fehlen 650 Millionen Euro.
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