ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005Ärztemangel: 700 Millionen für den Osten

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Ärztemangel: 700 Millionen für den Osten

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2514 / B-2126

Hillienhof, Arne; Rieser, Sabine

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Vor allem die ländlichen Regionen im Osten kämpfen mit dem Ärztemangel. Foto: dpa
Vor allem die ländlichen Regionen im Osten kämpfen mit dem Ärztemangel. Foto: dpa
KBV und KVen schlagen Umfinanzierung vor.

Finanzhilfen zur Behebung der Unterfinanzierung der ambulanten ärztlichen Versorgung in den neuen Bundesländern haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Arbeitsgemeinschaft der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) der neuen Bundesländer gefordert. „Wir brauchen ein Sofortprogramm, um das jetzige Versorgungsniveau halten zu können“, sagte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Dr. med. Hans-Joachim Helming, der zugleich Vorstandsvorsitzender der KV Brandenburg ist.
Es fehlten 700 Millionen Euro, um die Honorare der Kassenärzte in den neuen Bundesländern an das Westniveau anzugleichen. Wenn bundesweit 1,5 Prozent der Ausgaben für die Krankenhäuser in die ambulante Versorgung geleitet würden, stünde dieses Geld beitragssatzneutral zur Verfügung. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft bezeichnete den Vorschlag als „wenig zielführend“. Auch die Kliniken stünden bei der Stellenbesetzung im ärztlichen Dienst vor großen Herausforderungen. 80 Prozent aller ostdeutschen Kliniken könnten offene Stellen nicht mehr besetzen.
Helming wies auf die Programme der KVen gegen den Ärztemangel hin. Diese reichten von Umsatzgarantien für Arztpraxen bis zur Gründung von KV-Eigeneinrichtungen. „Der Ärztemangel ist aber kein reines Sicherstellungsproblem der KV, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betonte er. „Die ambulante Versorgung ist gefährdet“, warnte auch die Vorsitzende des Vorstands der KV Thüringen, Dipl.-Med. Regina Feldmann. Aus Altersgründen gäben 41,4 Prozent der Hausärzte in Brandenburg, 39,8 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern, 38,5 Prozent in Sachsen, 48,6 Prozent in Sachsen-Anhalt und 40,9 Prozent in Thüringen bis 2010 ihre Zulassung zurück. Schon jetzt sind in den neuen Bundesländern mehr als 600 Hausarztstellen und 225 Facharztstellen unbesetzt.
Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium wies die Forderungen zurück. Mit der Gesundheitsreform seien Möglichkeiten geschaffen worden, um dem drohenden Ärztemangel im Osten zu begegnen. Die Sicherstellung sei Aufgabe der ärztlichen Selbstverwaltung. Wenn die KBV der Auffassung sei, dass dies nicht der Fall sei, könne das bei der nächsten Gesundheitsreform geändert werden.
Die Spitzenverbände der Krankenkassen wiesen darauf hin, dass zur Sicherung der Versorgung bereits Maßnahmen eingeleitet worden seien, darunter eine Differenzierung der Wegepauschalen, eine Flexibilisierung des Notdienstes und Sicherstellungszuschläge. „Die KVen zeigten sich dabei weitaus flexibler und für konstruktive Problemlösungen aufgeschlossener als die KBV mit ihrer Forderung nach mehr Geld“, kritisierten die Kassen. hil/Rie
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