ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005Wütende Ärzte: Aus norwegischer Sicht

BRIEFE

Wütende Ärzte: Aus norwegischer Sicht

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2548 / B-2150 / C-2029

Raschpichler, Gabriele

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Seit Jahren beobachte ich die Entwicklung der Arbeitsbedingungen für Ärzte in Deutschland und deren Reaktion auf die herrschenden Zustände – seit 1998 aus Norwegen. Endlich, endlich tut sich etwas, Ärzte werden aktiv – das Fass war ja nun aber auch schon mehr als übergelaufen! Das Einzige, was die Freude trübt, ist allerdings, dass die Ärzteschaft es offensichtlich wieder einmal (beziehungsweise immer noch) nicht schafft, geschlossen aufzutreten! Anschei-
nend können sich nicht einmal die Klinikärzte einigen und als Gruppe erscheinen, sondern es sind die „Universitätsklinik-
ärzte“, die protestieren und für ihre eigene Sache kämpfen . . . Warum schaffen es Ärzte in Deutschland nicht, als Gesamtheit zu erscheinen? Wie man ja offensichtlich langsam zu begreifen scheint, haben wir – wie alle anderen Arbeitnehmer, die diese Tatsache jedoch schon vor Jahrzehnten verinnerlicht haben – nur gemeinsam die Kraft, etwas zu verändern. Und je geschlossener wir uns präsentieren, desto größer die Aussicht auf Erfolg. Sind die Arbeitsbedingungen nicht für (fast) alle Ärzte inakzeptabel? Besteht nicht für (fast) alle eine ausgesprochene Diskrepanz zwischen geleisteter Arbeit und Entgelt? Und müssten „wir“ es dann nicht schaffen zusammenzustehen, um unserer Auffassung Nachdruck zu verleihen – selbst wenn es Einzelnen etwas besser gehen mag als anderen? Solidarität ist gefragt! Ich unterstütze meine Kollegen in Deutschland sehr in ihrem Arbeitskampf . . . Nicht zuletzt kämpfen sie ja auch für mich, denn Nordnorwegen liegt weit weg. Ob es allerdings für mich in der Zukunft eine Alternative sein wird, wieder als Ärztin in Deutschland zu arbeiten, hängt entscheidend davon ab, ob sich die Arbeitsbedingungen (v. a. geregelte Arbeitszeiten, die es erlauben, ein Familienleben zu führen, Überstundenbezahlung, fester Arbeitsplatz und Ähnliches) deutlich verbessern.
Dr. med. Gabriele Raschpichler, Universitetssykehus Nord-Norge,
N-9038 Tromsø, Norwegen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige