ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005GOÄ: Kein Platz mehr für private Leistungen?

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GOÄ: Kein Platz mehr für private Leistungen?

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2548 / B-2151 / C-2030

Wagner, Ulrich A.

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LNSLNS . . . Insbesondere in den operativen Fächern hat die konsequente Durchsetzung des „Zielleistungsprinzips“ durch die privaten Kran­ken­ver­siche­rungen Honorarstreitigkeiten ausgelöst. Das „Zielleistungsprinzip“ ist so explizit in der GOÄ gar nicht existent, sondern stellt nur eine besondere Auslegung des § 4 Abs. 2 a der GOÄ dar. Hier wird von den privaten Kran­ken­ver­siche­rungen nur eine Hauptleistung anerkannt und vergütet und alle übrigen Zusatzleistungen nicht mehr vergütet. Bei Implantation einer Hüftprothese würde also nach Vorstellung der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen nur die reine Prothesenverankerung vergütet, Zusatzleistungen, wie zum Beispiel die Synovektomie, Spongiosaplastiken, Abmeißelung von Osteophy-
ten, Muskelentspannungseingriffe, Gestaltung eines Pfannenbettes, fielen damit in die „Kollekte“ und würden als notwendige Einzelschritte der Hauptleistung deklariert. Diese konsequente Anwendung des „Zielleistungsprinzips“ beinhaltet ein großes Konfliktpotenzial . . . Zunächst wird der Arzt indirekt beschuldigt, eine inkorrekte Rechnungslegung durchgeführt zu haben. Damit wird das Vertrauensverhältnis Arzt/Patient nachhaltig zerrüttet und der Arzt beschuldigt, unrechtmäßig oder gar betrügerisch gehandelt zu haben. Des Weiteren verliert der Versicherte aber auch sein Vertrauen in seine private Kran­ken­ver­siche­rung . . . Bei manchen Rechnungen differieren die Rechnungen der Privatverrechnungsstellen nach GOÄ und die Vorstellungen der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen nach GOÄ um fast 50 Prozent der Beträge. Dies sind derzeit unüberbrückbare Differenzen, die auch mit Kulanz von beiden Seiten nicht mehr überwunden werden können . . . Die Lan­des­ärz­te­kam­mern bieten eine sachkundige und neutrale Beratung durch ihre GOÄ-Ausschüsse an, jedoch werden die Schlichtungsempfehlungen von den PKV immer seltener akzeptiert, sodass überflüssigerweise die Gerichte mit diesen Themen beschäftigt werden müssen . . . Damit das Kommunikationsproblem zwischen den Ärzten und privaten Kran­ken­ver­siche­rungen über Rechnungsauslegungen nicht noch weiter eskaliert, sollten sich die Privaten Verrechnungsstellen (PVS) und die Privatversicherer (PKV) baldmöglichst über die strittigen Auslegungen der GOÄ unkonventionell einigen und einen gemeinsamen Auslegungskatalog herausgeben. Die Hoffnung auf eine Regelung durch die Politik ist trügerisch. Hier wird der Streit zwischen den Leistungserbringern und Leistungsregulierern im Bereich der privaten Versicherungssysteme nur genutzt werden, um die Situation der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen zu verbessern. Im System der Bürgerversicherungen und Kopfpauschalen ist kein Platz mehr für privat erbrachte Leistungen. Die Leistungserbringer (Ärzte) mit den Abrechnungsstellen (PVS) und die privaten Kran­ken­ver­siche­rungen (PKV) sollten sich als Partner in dem vorhandenen System sehen, da sie als Gegner ihren Einfluss auf zukünftige politische Entwicklungen gerade verspielen.
Prof. Dr. Ulrich A. Wagner, Brandenburgerstraße 15, 27607 Langen
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