ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005Methods for the Economic Evaluation of Health Care Programmes

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Methods for the Economic Evaluation of Health Care Programmes

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2550 / B-2152 / C-2031

Drummond, Michael F.; Sculpher, Mark J.; Torrance, George W.; O’Brien, Bernie J.; Stoddart, Greg L.

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Gesundheitsökonomie: Pflichtlektüre
Michael F. Drummond, Mark J. Sculpher, George W. Torrance, Bernie J. O’Brien, Greg L. Stoddart: Methods for the Economic Evaluation of Health Care Programmes. 3. Auflage. Oxford University Press, 2005, 379 Seiten, Paperback, 49,50 €
Zuerst und vor allem ist festzustellen: Der international herausragende, vielfach als Referenz angesehene Standardtext über die ökonomische Bewertung medizinischer Interventionen ist noch besser geworden. Die acht Jahre nach der zweiten Auflage erscheinende Neufassung enthält zahlreiche Erweiterungen, darunter erstmals eine gut lesbare Darstellung der Grundlagen „probabilistischer“ Sensitivitätsanalysen und deren in der Praxis ebenso relevante wie anspruchsvolle Anwendung auf der Basis von Studiendaten (Stichworte: „patient level data“, „non-parametric bootstrapping“, „Fiellers Theorem“). Auch die übrigen Kapitel wurden einer sehr sorgfältigen Aktualisierung unterzogen, sodass kein wichtiges Thema für die Durchführung von ökonomischen Analysen ausgelassen wird.
Leider besteht gleichzeitig das sicher nicht unerhebliche Defizit fort, dass die Hinweise für die Interpretation von Studienergebnissen in einem zentralen Bereich kursorisch bleiben: Zwar wurde mit der Aufnahme des Stichworts „Extrawelfarismus“ ein deutlicher Hinweis auf die theo-
retischen Grundlagen der meistverbreiteten Verfahren, nämlich der Kosten-Effektivitäts- und (vor allem) der Kosten-Nutzwert-Analysen, gegeben. Wer allerdings auf eine kritische Reflexion der einschlägigen Prämissen und der impliziten Festlegungen auf spezifische Werturteile hofft, wird auch von der Neuauflage enttäuscht werden. Dieser unter Gesundheitsökonomen immer noch verbreitete „blinde Fleck“ ist umso bedauerlicher, als sich hier ein Paradigmenwechsel andeutet. So waren zahlreiche Beiträge beim jüngsten Weltkongress der Gesundheitsöko-
nomen Mitte Juli 2005 in Barcelona der Notwendigkeit gewidmet, die heute üblichen Verfahren so weiterzuentwickeln, dass sie nicht nur einer ökonomischen Theorie, sondern auch gesellschaftlichen Präferenzen und Werturteilen gerecht werden – was derzeit zweifelsfrei nicht der Fall ist. Insofern setzen sich die an der Universität von York (Großbritannien) und der McMaster-Universität in Hamilton/Ontario (Kanada) beheimateten Autoren sichtlich der Gefahr aus, sich mit einer immer weiter verfeinerten Methodik, gleichwohl gefangen innerhalb eines durchaus fragwürdigen wissenschaftlichen Paradigmas (nämlich des Extrawelfarismus) in eine Sackgasse hineinzubewegen.
Immerhin aber wird in der Neuauflage die Diskussion über den „statistischen“ Wert eines Lebens vertieft, und zwar sowohl im Kapitel Kosten-Nutzen-Analyse als auch in den abschließenden Überlegungen zur Anwendung von Schwellenwerten im Rahmen von Kosten-Effektivitäts-Analysen. Und erstmals wird konzediert, dass es den einen theoretisch richtigen Ansatz für gesundheitsökonomische Analysen nicht gibt.
Wenn dann von den Autoren – zwingend – gefolgert wird, dass ökonomische Analysen nur als zusätzliche Entscheidungshilfe, nicht aber als präskriptive Empfehlungen zu interpretieren seien, dann geraten sie freilich in einen Widerspruch mit ihrer eigenen Klage an anderer Stel-
le über die unzureichende „Konsistenz“ der Implementierung der Ergebnisse ökonomischer Analysen.
Dessen ungeachtet gilt für die aktualisierte dritte Auflage mehr denn je, dass es für dieses Themenfeld weltweit kein besseres Lehrbuch gibt. Es ist für jeden einschlägig Interessierten eine Pflichtlektüre. Allenfalls wäre anzumerken, dass es für den Anfänger nur bedingt geeignet sein dürfte; ohne gewisse Vorkenntnisse wird es sich als schwere Kost erweisen.
Anlass zu heftigem Nachdenken bietet schließlich ein letzter, aus nationaler Perspektive erwähnenswerter Aspekt: Das Namensverzeichnis enthält unter mehr als 400 Eintragungen nicht einen deutschen Gesundheitsökonomen. Michael Schlander
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