ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005Medizingeschichte(n): Elektrizität – Elektrische Arznei

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Medizingeschichte(n): Elektrizität – Elektrische Arznei

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2576 / B-2177 / C-2054

Schott, H.

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LNSLNS Zitat: „Ich habe ... an einem andern Orte schon gesaget, daß nichts leichter für den Arzt, und nichts angenehmers für den Kranken seyn könnte, als wenn z. E. [1] Wasser, Wein, Thee, und andere Getränke, mit der electrischen Materie gesättiget oder angefüllet, und solche electrificirte Körper, nach Beschaffenheit der Krankheit, und unter einer darzu erforderlichen Diät, dem Patienten, als eine electrische Arzney [2] dargereichet und eingegeben würde. Sollte Jemand wegen dieser Verfahrungsart sogleich an der Kraft und Wirkung zweifeln, der überlege nur, daß das in einem Gefäse geladene electrische Wasser nicht allein noch lange Zeit seine erschütternde Wirkung beybehält; sondern auch, wenn dergleichen electrisches Wasser, aus der Flasche im Finstern ausgegossen wird, wie ein helles flüßiges Feuer aussiehet [3]; ingleichen, daß der electrisirte Wein, nach des Herrn D. [4] Lentins [5] Erfahrung, einen viel stärkern Geruch von sich giebt, auch eher einen berauschet, als ein unelectrisirter.“

Johann Gottlieb Schäffer: Die Electrische Medizin [...]. (Erste Auflage 1752). Regensburg 1766, Seite 77 f. – Schäffer (1720–1795) war Arzt in Regensburg. Die therapeutische Anwendung der künstlichen Elektrizität und die Erfahrung ihrer Phänomene, wie Schäffer sie in seinem verbreiteten Buch im Einzelnen darstellte, war eine wichtige Voraussetzung für die Begründung des „animalischen Magnetismus“ durch Mesmer, welcher der Elektrizität entscheidende Anregungen verdankte. – [1] Zum Exempel. [2] Analog zur „magnetischen Arznei“, zum Beispiel in Form magnetisierten Wassers. [3] Die Elektrizität erscheint im 18. Jahrhundert in theologisch-naturphilosophischer Sicht („Physikotheologie“) – analog dem „Heiligenschein“ – als Inbegriff einer kosmischen (göttlichen) Naturheilkraft, die in vielfältigen Modifikationen als Licht, Strahl, flüssiges Feuer visualisiert wurde. Gerade auch Naturforscher hatten seinerzeit solche kollektiven Wahrnehmungen, die gewissermaßen Gruppenvisionen oder -halluzinationen darstellen (die übrigens intrinsisch zur Wissenschaftsgeschichte und ihren „Paradigmen“ gehören; es sei nur an die Rassenbiologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert). [4] Doktor. [5] Lebrecht Friedrich Benjamin Lentin (1736–1804), vielseitiger Arzt und medizinischer Schriftsteller.

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