ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005Versorgungswerke: Vorteile gegenüber privaten Anbietern

VARIA: Wirtschaft

Versorgungswerke: Vorteile gegenüber privaten Anbietern

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2579

Hemker, Thorsten

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LNSLNS Keine Ausgaben für Werbung und Provisionen

Zurzeit werden die Freiberufler von Angeboten privater Rentenversicherungen („Rürup-Rente“) überhäuft. Das Alterseinkünftegesetz bietet die Möglichkeit, einen stufenweise steigenden Anteil von Aufwendungen (zurzeit 60 Prozent, jedes Jahr um zwei Prozent steigend) bis zu einem Höchstbeitrag von 20 000 Euro (Ehepaare 40 000 Euro) von der Steuer abzusetzen. Dazu gehören auch die Pflichtbeiträge für das Versorgungswerk (in der Regel circa 12 000 Euro pro Jahr).
Die meisten Versorgungswerke ermöglichen die Zahlung erhöhter Beiträge in unterschiedlicher Höhe. Diese freiwilligen Zuzahlungen über den Pflichtbeitrag hinaus sind als Beitrag für eine höhere Altersrente, als Zuzahlung zur abschlagfreien Vorziehung der Altersrente oder als Auffüllung einer durch einen Versorgungsausgleich geminderten Rente möglich. Besonders interessant ist ein erhöhter Beitrag zur vorgezogenen Altersrente, weil nicht nur die Beiträge steuerbegünstigt sind, sondern jedes vorgezogene Jahr den Steuersatz der Rente um zwei Prozent senkt (bis 2020, dann folgen zehn Jahre Schritte von einem Prozent). Beispiel Rentenbeginn 2020: 80 Prozent der Rente müssen mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden; Vorziehung auf 2015, nur 70 Prozent der Rente müssen versteuert werden. Der bei Renteneintritt steuerfrei bleibende Betrag in Euro bleibt lebenslang steuerfrei, nur Rentenerhöhungen werden voll besteuert.
Wer glaubt, bei einem privaten Anbieter eine bessere Rendite als bei seinem Versorgungswerk zu erzielen, irrt: Die Kapitalanlagen erfolgen nach den gleichen gesetzlichen Richtlinien, aber das Versorgungswerk hat keine Kosten für Werbung und Provisionen, und der Gewinn kommt voll den Mitgliedern des Versorgungswerkes zugute. Wer die Möglichkeit eines erhöhten Beitrages in Erwägung zieht, sollte nicht zu lange warten, weil die meisten Satzungen solche Zuzahlungen nur in dem Umfang erlauben, wie sie bis zum 50. oder 55. Lebensjahr erfolgen. Da die Satzungen variieren, muss sich jeder bei seinem Versorgungswerk über die Möglichkeiten eines erhöhten Beitrages erkundigen.
Bei der Planung seiner Altersvorsorge sollte man aber den Grundsatz der Diversifikation beachten, denn jede Rente – ob aus dem Versorgungswerk oder einer Versicherung – endet mit dem Tod des Rentenbeziehers und seiner Hinterbliebenen. Andere Kapitalanlagen sind vollständig vererbbar.

Dr. med. Thorsten Hemker, Versorgungswerk der Ärztekammer Hamburg
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