ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1997Krankenstand von Beamten: Blick unter die Bettdecke

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Krankenstand von Beamten: Blick unter die Bettdecke

Maus, Josef

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LNSLNS Auf kranke Beamte, Angestellte und Arbeiter des Bundes kommen womöglich schwere Zeiten zu. Bundesinnenminister Manfred Kanther will den Krankenstand der öffentlich Bediensteten deutlich senken. Da nun aber selbst ein gestandener Minister die Menschen an sich kaum gesünder machen kann, sieht Kanther wohl eher andere Ursachen hinter den krankheitsbedingten Fehltagen seiner Mitstreiter.
Ohne Anrechnung der Kuren bleiben einem Bericht des Ministeriums zufolge die Mitarbeiter der Bundesverwaltung durchschnittlich 16,77 Tage im Jahr der Arbeit wegen Krankheit fern. In der Wirtschaft sind es nach GKV-Zahlen 13,33 Tage. Kanthers Statistiker stellten fest, daß Arbeiter (23,07 Tage) weit häufiger fehlen als Angestellte (16,38 Tage) und Beamte (12,45 Tage). Ferner: Je höher die Position, desto niedriger der Krankenstand. Insgesamt beläuft sich die Entgeltfortzahlung auf knapp zwei Milliarden DM pro Jahr.
Mit einem Acht-Punkte-Programm, das vom Bundeskabinett beschlossen worden ist, will Kanther künftig Krankheiten vermeiden und rasche Genesungen einleiten. So sollen die Vorgesetzten "Personalgespräche" bei häufigen Kurzerkrankungen führen. Schon vom ersten Krankheitstag an soll ein ärztliches Attest vorgelegt werden. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen soll häufiger eingeschaltet werden. Bei Auffälligkeiten stehen Krankenbesuche an.
Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft kritisiert derartige Absichten als "würdelose Schnüffelei" – und aus dem SPD-geführten Innenministerium Niedersachsens kommt der Kommentar: "Wir schauen niemandem unter die Bettdecke." Josef Maus
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