ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005Bekanntmachungen: Richtlinien zur Organtransplantation gemäß § 16 TPG

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Bekanntmachungen: Richtlinien zur Organtransplantation gemäß § 16 TPG

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2585 / B-2185 / C-2061

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LNSLNS Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer hat in seiner Sitzung vom 26. August 2005 auf Empfehlung der Ständigen Kommission Organtransplantation Folgendes beschlossen:

I. In den Richtlinien zur Organtransplantation gem. § 16 Abs. 1 S. 1 Nrn. 2 und 5 TPG in der Fassung vom 28. 2. 2003 (Dtsch Arztebl 2003; 100: A 582–583 [Heft 9]), zuletzt geändert am 3. 6. 2005 (Dtsch Arztebl 2005; 102: A 1615–1621 [Heft 22]) werden

A. die Richtlinien für die Organvermittlung zur Nierentransplantation in Kapitel II. Abschnitt 1.1. Blutgruppenkompatibilität (A-B-0-System) wie folgt neu gefasst:
„1.1. Blutgruppenkompatibilität (A-B-0-System)

Voraussetzung für die Organtransplantation ist die Blutgruppenkompatibilität zwischen Spender und Empfänger. Um eine gleichmäßige Verteilung zu gewährleisten, erfolgt die Auswahl zu transplantierender Empfänger nach den folgenden Regeln:
Bei der Organzuteilung für Empfänger mit Übereinstimmung der HLA-Merkmale („0-mismatches“), „hochimmunisierte“ Empfänger (Acceptable Mismatch Program; AM-Programm) und Empfänger, die älter als 65 Jahre sind (European Senior Program; ESP) genügt A-B-0-Kompatibilität.“

B. die Richtlinien für die Warteliste zur Lebertransplantation wie folgt ergänzt:
1. In Kapitel II. Abschnitt 1.1.3. Genetische und metabolische Erkrankungen werden nach dem Wort „Mukoviszidose“ die Krankheitsbezeichnungen
„Protoporphyrie, familiäre Amyloidose, primäre Hyperoxalurie Typ I“
eingefügt.
2. In Kapitel II. Abschnitt 1.2.5. Bei Patienten mit akutem Leberversagen wird folgender Satz angefügt:
„Bei Empfängern mit viraler Hepatitis soll die Transplantationsindikation unter den folgenden Bedingungen gestellt werden (Clichy-Kriterien):
c Enzephalopathie Grad 3 und 4
und
c Faktor V < 20 % bei Empfängern
< 30 Jahre
oder
Faktor V < 30 % bei Empfängern > 30 Jahre.“

C. die Richtlinien für die Organvermittlung zur Lebertransplantation wie folgt geändert:
1. Im Kapitel II. wird Abschnitt 1.1. Blutgruppenkompatibilität (A-B-0-System) wie folgt neu gefasst:
„1.1. Blutgruppenkompatibilität (A-B-0-System)

Voraussetzung für die Organtransplantation ist die Blutgruppenkompatibilität zwischen Spender und Empfänger. Um aber eine gleichmäßige Verteilung zu gewährleisten, erfolgt die Auswahl zu transplantierender Empfänger nach den folgenden Regeln:

1.1.1. Organspender < 46 kg
1.1.1.1. Dringlichkeitsstufe I, Erwachsene
1.1.1.2. Dringlichkeitsstufe I, Kinder
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1.1.1.3. Kombinierte Organtransplantation, Erwachsene und Kinder
1.1.1.4. Dringlichkeitsstufe II, Erwachsene
1.1.1.5. Dringlichkeitsstufen III und IV, Erwachsene
1.1.1.6. Dringlichkeitsstufen II und III, Kinder
1.1.2. Organspender > 46 kg

1.1.2.1. Dringlichkeitsstufe I, Erwachsene und Kinder
1.1.2.2. kombinierte Organtransplantation, Erwachsene und Kinder !


1.1.2.3. Dringlichkeitsstufe II, Erwachsene und Kinder
1.1.2.4. Dringlichkeitsstufen III und IV, Erwachsene und Kinder
1.1.3. Zweiter Teil der Leber bei Leberteiltransplantation, Erwachsene und Kinder
2. In Kapitel II. werden die Abschnitte 1.2.1. bis 1.2.3. wie folgt neu gefasst:

„1.2.1. Dringlichkeitsstufe I
High urgency (HU), akutes Leberversagen, akutes Transplantatversagen innerhalb von 14 Tagen nach Transplantation.
Bei Patienten in akut lebensbedrohlicher Situation (High urgency/Dringlichkeitsstufe I) droht ohne Transplantation der Tod in wenigen Tagen. Sie werden daher vorrangig vor allen anderen Patienten bei der Organzuteilung berücksichtigt. Innerhalb der HU-Patienten erfolgt die Organverteilung nach der Wartezeit innerhalb der Dringlichkeitsstufe I.
1.2.2. Dringlichkeitsstufen II–IV
II Chronische Lebererkrankung mit akuter Dekompensation,
III Chronische Lebererkrankung mit Komplikationen,
IV Chronische Lebererkrankung ohne Komplikationen.

Bei Patienten der Dringlichkeitsstufe II mit akuter Dekompensation (z. B. Dialysepflichtigkeit, Beatmung, Kreislaufversagen) soll durch eine erhöhte Priorität die Behandlungs- und Überlebenschance verbessert werden. Deshalb erhalten diese Patienten den maximal für Dringlichkeit erreichbaren Wert. Patienten der Dringlichkeitsstufe II erhalten Priorität vor Patienten der Dringlichkeitsstufen III und IV.
Patienten mit polyzystischer Lebererkrankung oder mit nicht zirrhoti-
scher metabolischer Erkrankung werden nach einer Wartezeit von > 1 Jahr auf Antrag in die Dringlichkeitsstufe II eingestuft.
Patienten der Dringlichkeitsstufe III erhalten die Hälfte, Patienten der Dringlichkeitsstufe IV erhalten ein Viertel des für Dringlichkeit erreichbaren Wertes.
1.2.3. Anmeldung für die Dringlichkeitsstufen
Die Anmeldung für die Dringlichkeitsstufe I gilt zeitlich begrenzt auf 14 Tage, bei Anmeldung der Dringlichkeitsstufe II auf 28 Tage; beide unterliegen einer Überprüfung durch die Vermittlungsstelle (s. 3.).
Patienten mit chronischen Lebererkrankungen ohne Komplikationen (Dringlichkeitsstufe IV) müssen eine Chance haben, nach entsprechender Wartezeit bei der Organallokation berücksichtigt zu werden.“


II. In-Kraft-Treten

Die Richtlinienänderungen treten am 15. Dezember 2005 in Kraft.
[Hinweis: Der Wortlaut der Richtlinien ist abrufbar unter http://www.bundesaerztekammer.de/30/Richtlinien/Richtidx/Organ/10OrgantransNeu/index.html]

Korrespondenzanschrift:
Bundes­ärzte­kammer
Dezernat VI
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

1In jeder Dringlichkeitsstufe erfolgt die Auswahl zu transplantierender Empfänger zunächst nach der Blutgruppenidentität. Sofern kein blutgruppenidentischer Empfänger vermittelt werden kann, gilt Blutgruppenkompatibilität.

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