ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2005Nachuniversitäre Qualifizierung: Alternative Berufsfelder für Ärzte

STATUS

Nachuniversitäre Qualifizierung: Alternative Berufsfelder für Ärzte

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2588 / B-2188 / C-2064

Seger, Gabriele

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Eberhard Hahne
Foto: Eberhard Hahne
Mitunter ist Bildung ein Gewinn, übersetzte einmal ein Absolvent das Akronym mibeg. Das ist nicht ganz richtig. Die Abkürzung stand ursprünglich für „Mittelstandsberatungsgesellschaft“ und geht auf die Gründung der mibeg-Unternehmensgruppe Anfang der 80er-Jahre zurück. Heute verbergen sich fünf Weiterbildungsinstitute hinter dem Kürzel, darunter das für Medizin. Die große Nachfrage nach den Angeboten – mit 4 500 Teilnehmern jährlich allein im medizinischen Bereich – spricht jedoch dafür, dass die Fortbildung einen Gewinn bringt.
Peter Hagemann und Barbara Rosenthal gründeten das mibeg-Institut Medizin 1989, also zu einer Zeit, als es zu wenige Stellen für zu viele Ärzte gab. „Die Akademie reagierte damals auf die Einführung des AiP 1988“, erklärt Institutsleiterin Rosenthal. Damals stieg die Arbeitslosigkeit, weil Dienste auch mit AiPlern besetzt wurden. Das Institut machte es sich zur Aufgabe, postuniversitär fortzubilden und vor allem neue Berufsfelder für die Ärzte zu erschließen. Dazu erforscht das Institut anhand von Marktanalysen die Trends im Gesundheitssektor und leistet mit neuen Kurskonzepten immer wieder auch Pionierarbeit.
Das Seminarspektrum ergibt sich aus den organisatorisch-strukturellen Veränderungen im Gesundheitswesen. mibeg bildet zum Gesundheitsmanager, Medical-Controller und Krankenhausverwaltungsleiter aus. Der Erwerb der ärztlichen Zusatzbezeichnung „Medizinische Informatik“, aber auch klinische Fortbildungen stehen auf dem Programm. Denn inzwischen gibt es in den Krankenhäusern wieder mehr Stellen als Bewerber. Rosenthal: „Heute sind die nach wie vor schlechten Arbeitsbedingungen der Grund dafür, warum Ärzte alternative Berufsfelder suchen.“
Circa 90 Prozent der mibeg-Seminare werden von den Lan­des­ärz­te­kam­mern zertifiziert. Das unterscheidet das Institut von anderen privaten Akademien. Die Kooperation mit den Ärztekammern hatte ursprünglich beabsichtigt, die klinischen Seminarkonzepte einer Expertenprüfung zu unterziehen. Seit nunmehr 16 Jahren fungieren die Ärzteorganisationen als Fach- und Qualitätsaufsicht, wirken bei Projektentwicklungen mit und beurteilen die Kursinhalte. Auch die Referentenauswahl wird durch die Ärztekammern unterstützt.
mibeg kann in manchen Bereichen schneller qualifizieren als etwa die Universitäten. „Die Einführung des Studiengangs Gesundheitsökonomie an der Universität zu Köln dauerte beispielsweise fünf Jahre“, berichtet Rosenthal. Bis ein Kurs bei mibeg angeboten wird – das heißt von der Konzeptionierung bis zum Zeitpunkt der öffentlichen Bekanntgabe des Curriculums –, vergeht hingegen in der Regel nicht mehr als ein Jahr. Die Dauer eines berufsbegleitenden Seminars liegt zwischen ein und zwei Jahren. In dieser Zeit erproben die Absolventen die erlernten Inhalte im beruflichen Alltag und bearbeiten ihre Erfahrungen im Unterricht weiter. Für die Institutsleiterin ist „das Trainieren, Einüben, Verändern und Neu-Initiieren von Prozessen“ wichtig.
Ob ein Fortbildungsangebot erfolgreich verlaufen ist, wird auf zweierlei Weise kontrolliert: Die öffentlich geförderten Fortbildungen – das sind in der Regel Vollzeitseminare – werden nur dann weiter angeboten beziehungsweise finanziell unterstützt, wenn mindestens 80 Prozent der Absolventen einen Arbeitsplatz finden. Bei den berufsbegleitenden Seminaren entscheidet die Quote der bestandenen Prüfungen vor der zertifizierenden Ärztekammer über den Erfolg der Weiterbildung. Ferner werden die Kurse über einen Standardfragebogen der Ärztekammern evaluiert sowie über eine Seminarbeurteilung durch die Absolventen. Das kontinuierliche Erfolgsmanagement trägt dazu bei, dass einige Seminare bereits zum 50. Mal in Folge angeboten werden.
Das mibeg-Institut Medizin finanziert sich einerseits über öffentliche Gelder, beispielsweise über Zuschüsse von Ministerien und EU-Mittel, andererseits über den Teilnehmerbeitrag. Industriegestützte Kurse werden allerdings nicht angeboten. „Dieses Qualitätsmerkmal der Neutralität ist kaum bei anderen freien Akademien zu finden“, betont Rosenthal. Sponsorenfreie Kurse seien jedoch insbesondere in der Medizin wichtig. Die wissenschaftliche Neutralität läge vor allem auch im Interesse der Ärztekammern. Mehr Informationen unter: www.mibeg.de. Gabriele Seger
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.