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Standpunkt: Vernebelt

Dtsch Arztebl 2005; 102(38): A-2588 / B-2188 / C-2064

Jonitz, Günther

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LNSLNS Mit ihrem „Krankenhaus-Navigator“ wollen die Allgemeinen Ortskrankenkassen den Patienten die Suche nach der passenden Klinik erleichtern. Das hört sich gut an, hilft den Patienten aber nicht sehr viel weiter. Denn die AOK suggeriert, dass allein die Zahl der Operationen bereits einen Hinweis auf die Qualität der Behandlung geben kann. Im Internet erfahren die Versicherten, welche Krankenhäuser bestimmte Operationen wie oft durchführen. Nach der Faustregel „je häufiger, desto besser“ sollen die Versicherten die Spreu vom Weizen trennen können. Doch grobe Vereinfachungen nützen der Patientensicherheit nicht. Die AOK betreibt Vernebelung statt Aufklärung. Die Häufigkeit von operativen Eingriffen ist ein Faktor unter vielen, die mit der Versorgungsqualität in Zusammenhang stehen. Darüber gibt die Bundesauswertung über die Qualitätssicherung von rund 2,5 Millionen Krankenhausleistungen aus dem Jahr 2004 und die Qualitätsindikatoren-Datenbank der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) zuverlässig Auskunft. Das von den Spitzenverbänden der Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Bundes­ärzte­kammer und dem Deutschen Pflegerat gemeinsam entwickelte BQS-Verfahren der stationären Qualitätssicherung ist aber offenkundig nicht nach dem Geschmack einiger Kassenfunktionäre, die stattdessen lieber mengensteuernde Einkaufspolitik betreiben wollen. Dabei wird das Verfahren der stationären Qualitätssicherung kontinuierlich weiterentwickelt und sukzessive um Leistungsbereiche auch aus den nicht-operativen Fachgebieten sowie um Querschnitts-Leistungsbereiche, wie Sturzprophylaxe oder Schmerztherapie, erweitert. In diesem Jahr wurde die Qualitätssicherung der Pneumonie gestartet, ab 2006 kommt die Qualitätssicherung der Nieren- und Lebertransplantationen hinzu. Es hätten noch weitere Fortschritte auf diesem Weg erzielt werden können, wenn führende Kassenvertreter anstelle unsachlicher Fundamentalkritik sich die Mühe gemacht hätten, in den Gremien der BQS mitzuarbeiten. Dr. med. Günther Jonitz
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