ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2005Krankenhäuser: 2006 mehr Fallpauschalen abrechenbar

POLITIK

Krankenhäuser: 2006 mehr Fallpauschalen abrechenbar

Dtsch Arztebl 2005; 102(39): A-2600 / B-2198 / C-2074

Clade, Harald

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LNSLNS Selbstverwaltung beschließt unter anderem Verbesserungen für Onkologie, Pädiatrie und Unfallchirurgie.

Nach intensiver Vorbereitung haben sich am 8. September die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V., die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen und der Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung e.V. auf die Eckpunkte für das diagnosebezogene Entgeltsystem 2006 (Diagnosis Related Groups, DRGs) geeinigt. Mit der auf der Selbstverwaltungsebene getroffenen Weiterentwicklung soll eine genauere Abbildung der Leistungen und eine Verfeinerung des Abrechnungssystems im Krankenhaus erreicht werden. Die Bausteine des Fallpauschalensystems 2006 enthalten den geänderten Katalog der Fallpauschalen, die Abrechnungsbestimmungen und die Kodier-Richtlinien. Auch bei der Finanzierung der Ausbildungsstätten wurde Konsens dahingehend erzielt, dass die Verhandlungen auf der Grundlage jener Daten fortgeführt werden, die das Institut zur Weiterentwicklung des Entgeltsystems im Krankenhaus, Siegburg, bereitgestellt hat.
Die Weiterentwicklung des Abrechnungssystems basiert auf den Daten aus 214 Krankenhäusern und umfasst eine Stichprobe von etwa 2,6 Millionen Krankenhausfällen.
954 Fallpauschalen
Die Zahl der DRGs erhöht sich im nächsten Jahr von 878 auf 954 Fallpauschalen. Im Vergleich zu dem im Jahr 2005 geltenden Katalog wurde der Katalog teilweise umstrukturiert und durch 76 zusätzliche Abrechnungspauschalen erweitert. Die Spitzenverbände haben anerkannt, dass durch die Überarbeitung des Katalogs dem Ziel Rechnung getragen wurde, das komplexe klinische Behandlungsgeschehen besser zu differenzieren und dadurch angemessener zu vergüten. Die Änderungen betreffen insbesondere die Onkologie, die Kinderheilkunde und die Unfallchirurgie. Außerdem ist Konsens bei den Abrechnungsbestimmungen und bei der Festlegung von Zusatzentgelten erreicht worden, also jenen Leistungen, die neben den DRG-Pauschalsätzen separat abgerechnet werden können. Für das Jahr 2006 wurden 83 Zusatzentgelte vereinbart, mithin zwölf mehr als im Jahr 2005 (71 Zusatzentgelte).
Die Zahl der Fallpauschalen erhöhte sich auf 954 als Folge der Neudefinitionen, von Splittungen, von Umstrukturierungen, aber auch von Streichungen. 448 Fallpauschalen sind fast textgleich geblieben, bei 199 DRGs erfolgten Modifikationen des Textes; 266 DRGs wurden völlig neu formuliert. Außerdem wurden zahlreiche neue DRGs für hochkomplexe Eingriffe gebildet. Für Mehrfacheingriffe oder beidseitig durchgeführte Eingriffe wurden neue DRGs festgelegt, um eine ökonomische Falltrennung für Häufigkombinationseingriffe zu vermeiden. Bei den Zusatzentgelten wurden zwölf gestrichen.
41 Zusatzentgelte mit bundesweiter Bewertung und 42 Entgelte ohne Bewertung wurden vereinbart, also 83 Zusatzentgelte festgelegt.
Zum ersten Mal wurden auch zwei spezielle Fallpauschalen für die Abrechnung von teilstationären Krankenhausleistungen im Katalog aufgenommen. Künftig ist eine teilstationäre Dialysebehandlung über eine bewertete Pauschale für Erwachsene und eine unbewertete Pauschale für Kinder abrechnungsfähig. Die unbewertete Pauschale ist je Krankenhaus zu vereinbaren. Ebenfalls wurden die Kodier-Richtlinien neu gefasst, die die Dokumentation von Diagnosen und Prozeduren regeln.
In der Intensivmedizin, die von Experten zurzeit noch als unterbewertet eingestuft wird, wurden komplexe Prozeduren identifiziert, die zumeist mit sehr hohen Fallkosten verbunden sind. Durch die Herausnahme dieser Prozeduren und deren Einbindung in eigene Fallgruppen wurde eine weitere Differenzierung zahlreicher DRGs erreicht. Zudem soll damit das Problem nicht langzeitbeatmeter Patienten entschärft werden.
In der Onkologie wurden beispielsweise für teure Chemotherapeutika neue Zusatzentgelte eingeführt. Der Komplex Kinderonkologie, bei dem sich herausgestellt hatte, dass die unteren Schwellenwerte für die Abrechnung von Zusatzentgelten nicht sachgerecht waren (wegen des geringen Körpergewichtes und dadurch bedingter niedriger Medikamentendosen), wurden kinderspezifische Schwellendosen für die Medikation aufgenommen und in den Zusatzentgelten berücksichtigt.
Pädiatrie: Alterssplits
In der Pädiatrie haben sich zahlreiche neue Alterssplits (51) ergeben, so-
dass die Behandlung von Kindern dadurch besser vergütet werden kann. In jedem Jahr werden sämtliche DRGs routinemäßig nach Altersklassen analysiert. Die jetzt kalkulatorisch nachgewiesene Differenzierungsnotwendigkeit ist auf den Verweildauerrückgang von Erwachsenen zurückzuführen.
Ebenfalls wurden Verbesserungen in der Unfallchirurgie beziehungsweise bei Polytraumapatienten vereinbart. Dabei wurden die aufwendigen Mehrfacheingriffe stärker berücksichtigt, vor allem auch jene Fälle, die nach der Definition noch kein eindeutiges Polytrauma darstellen, jedoch deutlich von einfachen Verletzungsfällen abzugrenzen sind. Sieben neue DRGs sind für sehr aufwendige Fälle im Abschnitt „Bewegungsorgane“ gebildet worden. Außerdem wurden auf der Basis der „Komplexbehandlung Schlaganfall“ sieben DRGs zusätzlich zu weiteren sechs DRGs aufgenommen. Die Spezialbehandlung in Schlaganfallzentren soll dadurch besser abgebildet und vergütet werden. Dr. rer. pol. Harald Clade
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